Grad angespielt: Rimworld. Teil 1

Rimworld ist einer dieser seltenen Fälle, in denen Entwickler Early Access nicht verwenden, weil sie Geld mit einem unfertigen Produkt machen wollen, sondern, weil sie so pedantische Perfektionisten sind, dass sie die größtmögliche Menge von Feedback sammeln wollen, bevor sie in den Release gehen. Diese Liebe zu ihrer Arbeit wurde ihnen auch gedankt: Schon lange vor der heutigen Veröffentlichung hat sich das Spiel über eine Million Mal verkauft. Und das mit gutem Grund. Rimworld hebt sich angenehm vom gängigen Trend der meisten Triple-A-Spiele, lieblos altbekannte Konzepte zusammenzustückeln und dann grafisch auf Hochglanz zu polieren, ab. Es lebt gänzlich von seinen diversen einzigartigen Ideen.

Von Gregor Schwayer
Am
Lesezeit 7 Min

Das Grundkonzept ist einfach: In einem von vier Szenarien finden sich ein bis fünf Personen auf einem harschen Planeten, einer sogenannten Rimworld, wieder und müssen es schaffen, ihn zu verlassen. Besonders wird die Erfahrung durch zwei Systeme: Ein komplexes Gesundheitssystem deckt sowohl Körper als auch Geist der Protagonisten ab. Ein harmloser Eichhörnchenbiss kann zu einer Infektion führen und auf einmal brandgefährlich sein. Ebenso können miserable Lebensumstände zu einem psychischen Zusammenbruch führen. Es heißt also, doppelt auf die Gruppe aufzupassen. Doch damit nicht genug: Am Anfang wählt man einen „Virtual Storyteller“ aus, der regelmäßig Zufallsereignisse triggert, die von angenehm bis katastrophal so ziemlich alles sein können. So entstehen organisch Geschichten und eine davon werde ich heute beginnen zu erzählen:

Ich habe mich für das „Lost Tribe“ Szenario entschieden, in dem fünf Stammesmitglieder einen Neuanfang versuchen. Die Charaktere samt der Namen stammen aus dem Zufallsgenerator:

Darklight: Schamane von „Beruf“, weigert sich, fast sämtliche körperliche Arbeit zu machen. Er ist aber ein helles Köpfchen und ein ausgezeichneter Arzt. Außerdem ist er das einzige Mitglied der Gruppe, dessen Socialskills nicht komplett im Keller sind. Verabscheut Gewalt und verwendet sie nicht einmal zur Selbstverteidigung.

Trout: Ein ziemliches Multitalent. Egal, ob es darum geht, Stollen in einen Berg zu hauen, oder Mauern hochzuziehen, sie ist die Frau für den Job. Sie wird auch ganz gerne mal handgreiflich, wenn man ihr querkommt.

Gaembust: Trouts großer Bruder. Sowohl der beste Handwerker, als auch der beste Koch der Gruppe. Stur und etwas langsam aber essentiell.

Lergo: Kann alles ein bisschen, aber wenig wirklich gut. Außerdem ist sie etwas faul.  

Tasboboami: Geniale Botanikerin, ein Händchen für Tiere, geschickte Handwerkerin und zumindest am Papier der reinste Robin Hood mit dem Bogen. Leider ist sie völlig asozial, eine Pessimistin und neigt dazu, den Hut draufzuhauen.

Das Spiel hat uns außerdem drei Haustiere erwürfelt. Das kann alles sein bis hin zum Wolf oder Nashorn. Wir haben zwei Katzen – Whirlwind und Talisman - und einen Fuchs – Jack – bekommen. Toll.

Da so gut wie niemand in der Gruppe so recht zum Kämpfen geeignet ist, habe ich beschlossen, unser zuhause in einen Berg hineinzuhauen. Da können sie sich schön hinter Mauern und Fallen verstecken.

Übers Felderanlegen und Stollengraben ging der erste Tag dann doch etwas schneller vorbei, als gedacht. Egal, am Boden und im Freien schlafen härtet ab!

Die Benennung der Gruppe und der Siedlung habe ich auch gleich dem Zufallsgenerator überlassen und ich muss sagen, dass ich mit „The Orange Penguin Cabo“ sehr zufrieden bin! Der „Virtual Storyteller“ hat an der Stelle auch gleich das erste Event in unsere Richtung geworfen:

Okay, eine tollwütige Eidechse. Das sollten sie hinkriegen.

Vier erwachsene Menschen gegen eine Eidechse und es endet mit Verletzten…

Der erste Raum ist fertig ausgraben und wird erstmal zugleich als Lagerraum und provisorisches Schlafzimmer verwendet. Die erste Ernte steht außerdem gottseidank an – die Mitglieder der Gruppe haben sich als ausgesprochen unfähige Jägerinnen und Jäger erwiesen und entsprechend hing allen schon ein wenig der Magen in den Kniekehlen.

Am meisten haben die Katzen gelitten, da sie nur Fleisch fressen können.

Als die ersten Alarmglocken geläutet haben, weil sie nahe am Verhungern waren, habe ich doch wieder die Gruppe zusammengetrommelt und auf einen nahen Vogelstrauß angesetzt. Es lief in etwa wie erwartet:

Das ist überwiegend Lergos Blut…

Naja. Hauptsache, die Katzen haben wieder Grund zu schnurren. Fresst, ihr undankbaren Tiere, ihr solltet damit für eine ganze Weile über den Berg sein…

Neeeeeein! Whirlwind! Was soll ich mit meinen neusteinzeitlichen Mitteln gegen einen Herzinfarkt machen? Aber Talisman lebt zumindest noch, den habe ich vorhin draußen herumlaufen gesehen!

In Situationen wie diesen sieht man förmlich, wie der „Virtual Storyteller“ den Mittelfinger ausstreckt. So weit, so naja. Die ersten paar Tage haben wir mit mäßigen Verlusten überstanden. Nächstes Mal geht es um blutrünstige Waschbären und hässliche Nudisten!

Von Gregor Schwayer
Am
Lesezeit 7 Min

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