Cosplay is not consent

Was wäre ein Comic Con Artikel bloß ohne der Erwähnung von Cosplayer*innen… Nachdem ich letztens bereits ein Interview mit Keekihime Cosplay geführt habe und ein wenig über den Beruf beziehungsweise das Hobby Cosplay erfuhr, habe ich beschlossen noch etwas tiefer in die Materie zu tauchen. Dabei hat sich gezeigt, dass das Verkleiden eine spielerische Art ist, um über Geschlechterstereotype nachzudenken, sexuelle Belästigung jedoch auch in der Cosplay-Szene allgegenwärtig ist.

Von Natalia Anders
Am
Lesezeit 7 Min

#broswhosew

Trotz der tausend Schichten an Kleidung und Make-Up ist Canvas Cosplay sofort offen für ein Interview - meine Stimmung ist meistens schon im Keller, sobald ich hohe Schuhe anziehen muss. Ich wüsste nicht, wie man mit so einem Kostüm den ganzen Tag überlebt, ohne jemanden dabei zu verletzen. Heute ist er als fülliger Mann mit langem Bart und Haaren in Prinzessinnenkleid verkleidet. Als Lettie Lutz von The Greatest Showman, wie ich später auf Google selbst feststelle, als ich nachschauen will, ob er die Rolle seines Kostüms tatsächlich erfüllt hat. Phillip Odango ist amerikanischer Cosplayer und zu Besuch auf der Vienna Comic Con, um seine Fans zu treffen, aber auch als eines der drei Jurymitglieder bei der Championship of Cosplay. Begonnen hat alles damals im Theater, als Phillip, besser bekannt als Canvas Cosplay, sein bisher unentdecktes Hobby, das Nähen, für sich entdeckte. Seitdem ist Canvas nicht nur bekannter Cosplayer, der Conventions in verschiedensten Ecken der Welt besucht, sondern unterrichtet auch Nähen in seiner Heimat Virginia. Seine Schüler*innen sind nicht größenteils Frauen, wie man traditionsgemäß vermuten würde, sondern  vor allem Männer. Mit dem Hashtag #broswhosew hat er auf Instagram eine neue Community ins Leben gerufen, deren Ziel es ist, Männer für das Nähen zu begeistern.

Cosplay ist nicht nur Friede, Freude, Eierkuchen

Spätestens seit #metoo sind Sexismus und sexuelle Belästigung viel diskutierte Probleme unserer Gesellschaft geworden. Auch in der Cosplayszene ist sexuelle Belästigung, vor allem im Internet, erschreckend weit verbreitet. Ori Cosplay und Nana Kurnoma, zwei berühmte Cosplayer*innen, erzählen in einem Workshop über ihre Erfahrungen mit Stalker*innen und sexueller Belästigung und geben Ratschläge, wie man als Betroffene*r vorgehen kann.

Als wir fünf Minuten vor Beginn des Workshops vor dem Saal auf Ori und Nana warten, sind wir neben einem anderen Mädchen die einzigen weiblichen Teilnehmerinnen. Damit, dass der Workshop allzu gut besucht werden würde, haben wir in einer gewissen Hinsicht schon gerechnet. Im Vergleich zu Make Up-Tutorials oder Auftritten berühmter Schauspieler*innen könnte er vor allem auf jüngere Besucher*innen nicht so spannend wirken. Ori und Nana kommen an und der Workshop beginnt. Eine Geschichte, die mir und dem mittlerweile weitaus gefüllteren Saal besonders in Erinnerung geblieben ist, ist Nanas Erfahrung mit sexueller Belästigung auf der Vienna Comic Con 2017, als sie ein Foto mit einem kleinen Mädchen gemacht hat und der Vater des Mädchens sie begrabschte, während die Mutter das Foto knipste. Bei solchen Vorfällen sollte man sich äußerliche Merkmale der Person merken und sofort Security aufmerksam machen.

Doch wie sieht es im Internet aus?

Ob man online sexuell belästigt wird, weiß man laut Nana und Ori dann, wenn man trotz Zurückweisung immer wieder obszöne Nachrichten geschickt bekommt. Sexuelle Belästigung im Internet ist in Österreich strafbar, jedoch ist es wichtig, dass man jede Nachricht, die man bekommt, screenshottet oder irgendwie abfotografiert und der/m Sender*in bis auf einem Nein am Anfang nie antworten sollte.

Cosplayer by accident

Ori Cosplay ist seit drei Jahren Cosplayer, ein Cosplaybaby also, wie er sich selbst bezeichnet. Begonnen hat alles damit, dass er von einem Cosplayer um Hilfe bei einem Fotoshooting gebeten wurde und sein erstes veröffentlichtes Foto direkt viral ging. Ori ist einer der wenigen bekannten Cosplayer*innen, die Cosplay noch hauptberuflich machen, doch das wird sich laut ihm auch bald ändern.

Im Gegensatz zu ihm ist die österreichische Cosplayerin Nana Cosplay bereits Vollzeit-Cosplayerin. Begonnen hat bei ihr alles mit einem Jungen, den sie mit ihren ersten Kostüm beeindrucken wollte. Aus dem wurde zwar nichts, dafür fand sie dank ihm ihre Leidenschaft.

Mit ihren über 100 Tausend Instagram-Followern hat sie Österreicherin vor allem für junge Mädchen und angehende Cosplayerinnen eine Vorbildfunktion, und möchte ihre Fans und von sexueller Belästigung im Internet Betroffene wissen lassen: “(...) auf jeden Fall versuchen nicht irgendwie beschämt zu sein oder sonst irgendwas. Es sollten alle wissen, dass jeden Tag, jede Sekunde, jede Minute jemanden so etwas passiert(...) das ist nichts, wo man sich irgendwie für irgendwas schämen muss. Man muss auch nicht glauben, dass man selbst daran schuld ist, wenn man einfach sexy aussieht, absolut nicht. Es sind immer die Leute schuld, die das schreiben und du brauchst auch gar nicht darüber nachdenken, ob du jetzt irgendetwas an dir ändern solltest, weil das ist Blödsinn. So wie du es machst, ist es richtig und wenn du dich damit wohlfühlst, ist das gut, und wenn du solche Kommentare kriegst, blockieren am besten und so schnell wie möglich vergessen, fertig.”

Von Natalia Anders
Am
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