Spielraum

Poetry Slammin’, jammin’

Auf Facebook interessieren sich 448 Personen für das Event. Alle Plätze des Theatercafés Spektakel in der Wiener Hamburgerstraße sind besetzt. Auf einmal wird es still in der Zuschauermenge, Henrik Szanto betritt die Bühne und stellt das Programm sowie die Stars des Abends vor. Was nun? Ein Konzert? Ein Theaterstück? Nein, es wird Zeit für die Märzausgabe des Freispruch Poetry Slams.

Von Natalia Anders
Am
Lesezeit 6 Min

Ob Ballade, Sonett oder Ode an die Käsepizza, erlaubt ist alles. Genauso bunt wie die Gedichtformen, sind auch die Inhalte der Poesien. Inhaltlich beziehen sich die meisten Gedichte auf das tägliche Leben. Sei es ein skurriler Restaurantbesuch mit dem Vater oder der schlimmste Kater der Welt. Besonders beliebt sind jedoch Gedichte über Ex-Freund*innen und die Liebe. Maximal sechs Minuten stehen die Poet*innen auf der Bühne und tragen ihre Gedichte vor. Die einen lesen vor, die anderen lernen ihre Texte auswendig. Genauso wichtig wie der Inhalt des lyrischen Werks, ist auch die Vortragsweise, also die Körpersprache und die Stimme.

Nach den fünf Minuten Fame verlässt der Star die Bühne und die Publikumsjury bestimmt mittels Punkten, ob er im Finale mit seinem zweiten Werk gegen die anderen Finalist*innen um den Sieg  kämpfen kann.

Poet*innen aus aller Welt

Antreten kann praktisch jeder.  Anmeldung erfolgt simpel per Mail und schon ist man dabei und kann sich mit seinen selbstgeschriebenen Texten auf der Bühne behaupten. Genauso divers wie die vorgetragenen Texte sind auch die Vortragenden selbst. Angereist kommen sie aus vielen Teilen Österreichs, immer öfter sieht man auch Slammer*innen aus Deutschland, oder gar aus anderen Ländern, die ihre Gedichte auf Englisch vortragen.

Veni, vidi, vici…

So spaßig diese Veranstaltung auch aussieht, ist sie trotzdem noch ein Wettkampf. In der Vorrunde bewertet eine selbsternannte Publikumsjury die Antretenden mit Punkten. Der höchste und der niedrigste Wert wird immer gestrichen. Die mit den meisten Punkten kommen ins Finale und können um den Sieg kämpfen. Finalist*innen werden jedoch nicht mehr mit Punkten bewertet, sondern mit Applaus. Der/die mit dem lauterem Applaus und Jubel gewinnt schließlich den Slam. Beim Freispruch Poetry Slam war der Hauptgewinn eine Kartonbox, in die die Zuschauer*innen Kleinigkeiten für die/den besten Slammer*in des Abends reinlegen konnten. Außerdem bekam der/die Gewinnerin auch noch ein Buch und eine DVD.

Wer aber denkt, dass nur Gedichte auf Poetry Slam-Events vorgetragen werden, der täuscht sich. Neben vorgetragenen Gedichten, gibt es ab und zu auch kurze Auftritte von Musiker*innen.  Im Spektakel trat der Berliner Techno Sänger Schneekönig auf und sorgte für Stimmung im Publikum.

Poetry Slam ist nicht gleich Poetry Slam. Jeder Slam ist anders, jeder Slam hat einen anderen Schwerpunkt, ein anderes Thema. Besonders witzig sind die Powerpoint-Karaoken, bei denen die Slammer*innen zu einer vorgegebenen Powerpoint- Präsentation ein Gedicht improvisieren.

Bei diesem Freispruch Poetry Slam war Henrik Szanto Moderator, sonst tritt der finnische Ungar auch gerne selbst als Slammer auf. Vor allem sein Text über das Abendessen mit seinem ungarischen Vater ist ein berühmtes Werk in der Wiener Poetry Slam Community.

Na, Bock selbst Besucher*in oder gar Poet*in eines Poetry Slams zu werden? Hier findest du alle Infos zu kommenden Veranstaltungen: www.fomp.eu

Von Natalia Anders
Am
Lesezeit 6 Min

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