Spielraum

Nostalgie auf die Hüften

Wir alle haben dieses eine Gericht, das wir mit zu Hause identifizieren. Das an schlechten Tagen wie eine warme Decke ist und das wir lieben, egal, ob es ungesund, altmodisch oder merkwürdig ist. Hier ist meins:

Von Gregor Schwayer
Am

Spinat mit Pofesen. Ein traditionelles Arme-Leute-Essen. Wenige, günstige Zutaten, die zusammen eine befriedigende, üppige Mahlzeit ergeben. Ich verbinde es mit meinen Besuchen bei meiner Oma, als ich ein kleiner Bub war. Wir werden hier heute ihr Rezept nachkochen - nicht, wie ich es heute machen würde, sondern, wie sie es damals gemacht hat. Ihr bekommt das unveränderte Rezept, das aus einem ganzen Leben an Kochpraxis entstanden ist und nicht die Haute-Cuisine-Phantasien eines Kochhipsters wie mir.

Zutaten:

Zwei Eier

Zwei Stück Toast. Und zwar Weißbrot. Das weißeste, günstigste Weißbrot. Wenn ein einziges Spurenelement in eurem Toast ist, macht ihr es falsch.

ca 50g Butter

Mehl nach Bedarf

Milch nach Bedarf

Eine Handvoll tiefgekühlter, passierter Spinat - NICHT Cremespinat. Es wird üppig genug!

Ein bis zwei Essiggurkerl als Deko, wenn ihr Instagram-User seid

Salz, Pfeffer, neutrales Pflanzenöl

Also los. Gebt die Butter in einen hochwandigen Topf auf relativ hoher Hitze (7/9) und wartet, bis sie schäumt. Unter permanentem Rühren schrittweise Mehl dazu, bis eine rötlich braune Paste entsteht, die leicht nach gebackenem Brot riecht - ein guter Test ist, zu sehen, ob der Kochlöffel, oder was ihr auch immer sonst zum Umrühren benutzt, Spuren am Boden des Topfs ziehen kann:

Jetzt Milch zufügen. Wenn ihr Erfahrung mit Einbrenn oder Béchamele habt einfach rein mit dem Zeug. Wenn nicht, langsam unter ständigem Rühren eingießen. Unabhängig vom Erfahrungsgrad passieren jetzt 2 Sachen: 1) Ihr merkt, dass ihr viel zu viel gemacht habt, weil ihr mal wieder schwer unterschätzt habt, wie sehr das Mehl aufquillt. Egal. Macht ihr morgen eben Lasagne oder Crocque Madame. Zu viel Béchamele ist ein First World Problem. 2) Ihr glaubt, dass ihr die klumpige Masse nie bändigen werdet. Oh doch. Werdet ihr. Einfach weiterrühren.

Wenn ihr euch jetzt fragt, ob man statt Butter auch z.B. Schmalz verwenden könnte: Ja! Ja, absolut! Ich mag wie ihr denkt! Aber ich halte mich heute ans Rezept.

Wie ihr seht, habe auch ich nach einem Wechsel zu passenderem Werkzeug eine homogene Masse hinbekommen. Jetzt den (komplett) aufgetauten Spinat einrühren.

Salz und Pfeffer rein - der Spinat ist fertig. Jetzt kommen wir zur Garnitur. Einem Spiegelei. Reichlich Öl in eine ausreichend große Pfanne, mittlere bis hohe Hitze, Ei rein sobald das Öl schimmert. Keine Angst, das viele Öl ist nur dazu da, dass das Ei nicht festklebt, und damit ihr es durch drüberlöffeln gleichmäßig braten könnt. Das Ei saugt es nicht auf. Das machen dann die Pofesen.

Jetzt zum Star der Show. Das zweite Ei in einen tiefen Teller schlagen, würzen, mit Gabel durchmixen. Beide Toastscheiben gründlich durch die Masse ziehen. In der Pfanne, in der ihr gerade das Ei gebraten habt (oder einer anderen, zusätzlichen Pfanne - es ist euer Abwasch) auf beiden Seiten gut bräunen.

That's the ticket! Jetzt bleibt eigentlich nur mehr, das Essiggurkerl optisch ansprechend zuzuschneiden und alles zusammenzusetzen:

Comfortfood der absoluten Extraklasse. Aber auch reichlich schwer. Das nur als Deko gedachte Gurkerl war bitter notwendig, um den üppigen Spinat auszugleichen.

Von Gregor Schwayer
Am

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