Spielraum

Shisha Bar und Sandra Afrika

Die Wiener Clubszene hat viele Facetten. Genauso bunt und vielseitig wie die Wiener*innen selbst sind auch ihre Diskotheken und Bars. Doch wie ist es, seine Bubble zu verlassen und einmal in eine ganz andere Community einzutauchen? Ich habe beschlossen genau das zu tun und habe einen Abend lang die lokalen Balkanclubs ausgecheckt.

Von Natalia Anders
Am
Lesezeit 5 Min

Dress to impress

Oversized T-Shirt, Boyfriend-Jeans und Adidas Sneaker. Normalerweise bin ich eine Person die gerne mal legere gekleidet nach der letzten Vorlesung mit ihren Studienkolleg*innen in die Unibar einen zwei Euro Spritzer trinken geht.

Als ich meine Balkanclub-Recherche begonnen und passende Fortgehorte gefunden habe, habe ich diese zunächst als Hashtag auf Instagram gesucht, um zu sehen, wie der Dresscode in den Lokalen ist. Die meisten Frauen trugen viel Make-Up, hohe Schuhe und enge Kleider, die Männer Hemden, Jeans und Anzugschuhe. Also eher fancier als ich gewohnt bin. Das war somit eine Herausforderung an meine Abendgarderobe. Aber na gut: Es wird Zeit, etwas Neues auszuprobieren!

Scotch Club

Bevor es in den Club geht, besagt eine altbekannte Regel, dass man vorglüht, also ein, zwei Drinks in einer Bar trinkt. Dafür soll angeblich der Scotch Club gut geeignet sein. Dort angekommen fanden meine Freunde und ich uns in einer überfüllten Bar wieder, Platz war nur mehr an der Theke, da alle anderen Plätze nur auf Reservierung verfügbar waren. Nachdem wir uns hingesetzt haben, fragte der Kellner nach unserem Getränkewunsch und ob wir eine Shisha wollten. Ich bestellte einen Mojito, der neun Euro gekostet hat und sagte ja zur zwanzig Euro Shisha. Zuerst war ich mir unsicher, ob ich sie wirklich nehmen sollte, da ich ja eigentlich nicht rauche, aber ich habe mich im Zuge der Recherche  für das ganze Paket entschieden, da an jedem Tisch mindestens eine Shisha geschmaucht wurde und ich mich so gut wie möglich anpassen wollte. Besonders ungewöhnlich fand ich, dass die Toiletten komplett bespiegelt waren (auch in den Kabinen) und den Fakt, dass obwohl dauernd Party-Musik aus den Boxen dröhnte, alle Anwesenden so gar nicht in Feierlaune waren und ruhig miteinander plauderten.

Nach gefühlten fünfzig Kilometern, die ich auf meinen hohen Schuhen zurückgelegt habe, kamen wir zum eigentlichen Höhepunkt des Abends: dem famosen Viva. Überraschenderweise gab es keine Schlange vor dem Club, wahrscheinlich lag das aber auch daran, dass es schon nach Eins war und alle bereits drinnen gefeiert haben. Die Garderobe kostete zwei Euro, Eintritt war frei.

Am Floor angekommen entdeckte ich die ersten Leute, die auf Tischen tanzten, der Rest hat stattdessen, im Takt der Musik geklatscht und laut mitgesungen. Besonders erfreulich war die Stimmung auf dem Dancefloor, da man richtig gesehen hat, wie leidenschaftlich alle die Musik gefeiert haben. Leider kannte ich den Großteil der gespielten Lieder nicht, konnte somit auch nicht mitsingen und beschloss, mich den anderen anzuschließen und mitzuklatschen. Die Stimmung war im Großen und Ganzen echt lustig, und ich hatte wirklich Spaß, auch wenn ich fast keinen der Songs verstanden habe. Ziemlich störend empfand ich hingegen, dass ich, egal wohin ich mich stellte, dauernd von irgendwem angerempelt wurde.

Outfittechnisch habe ich mich sogar zum ersten Mal in High Heels und Minirock wohl gefühlt.

Die Uhr schlug zwei, es wurde Zeit heimzukehren und mich von der Balkanclubszene zu verabschieden. Als wir vor dem Club ein Taxi suchten, haben wir sogar die erste und letzte Bekanntschaft des Abends gemacht. Ein zirka zwanzigjähriger Typ kam zu uns und fragte, ob wir ihm helfen könnten, sich aus der Friendzone, in die ihn eine Freundin gestellt hatte, zu befreien. Leider endete die Konversation jedoch etwas aussichtslos, da der einzige Rat, den er von uns bekommen hat, war, ihr seine Liebe zu gestehen und er dazu noch nicht bereit schien.  

Fazit

Die Experience, in die Balkanclubszene einzutauchen war auf jeden Fall eine interessante. Ich glaube zwar nicht, dass ich Viva Club oder Scotch in nächster Zeit nochmal besuchen werde, bereue es aber trotzdem kein bisschen, hingegangen zu sein. Es war ein lustiger Abend, der mir wieder einmal vor Augen geführt hat, wie divers und vielfältig Wien und seine Nachtszene ist.

Von Natalia Anders
Am
Lesezeit 5 Min

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