Zurück zur Natur. Auf der Überholspur.

In Zeiten, in denen an jeder Ecke ein neuer Biosupermarkt aus dem Boden sprießt, Kickstarter von Projekten wie umweltfreundlichen Ziegenhorn Kaffeebechern übergeht und man sich Würmer in Kompostkisten als Haustiere halten kann, verwundert es wenig, wenn manche die Jagd nach dem kleinsten CO2 Footprint - buchstäblich - bis zum Schluss gehen.

Von Gregor Schwayer
Am
Lesezeit 5 min

Die Sorgen, die hinter dem Trend zur ökofreundlichen Bestattung stecken, sind auch durchaus berechtigt – traditionelle Erdbestattungen können Böden und Grundwasser durch im Körper angereicherte Schwermetalle oder bei der Einbalsamierung verwendete Chemikalien belasten. Vollständige Kremation schlägt neben dem Gasverbrauch durch das freigesetzte CO2 zu Buche. Auch die Tatsache, dass die standardmäßig veranschlagten 30 Jahre vor Neubelegung eines Grabes oft nicht für den vollständigen Zerfall ausreichen und der Körper dann ein zweites Mal wenig zeremoniell entsorgt werden muss, schreckt so manchen ab. Der Markt hat prompt reagiert und bietet inzwischen unzählige Varianten, die das volle Spektrum zwischen Pragmatismus und Skurrilität abdecken.

Naheliegende Lösungen…

Auf der noch eher konservativen Seite finden sich Särge aus Biomaterialien wie Weidenruten, oder die Bestattung beziehungsweise Kremation nur im Leichentuch. Der Grundgedanke dahinter ist, Mutter Natur oder dem Krematorium die mühsame Arbeit zu nehmen, sich durch zentimeterdickes Eichenholz zu arbeiten. Naheliegend, einfach, kostengünstig. Und im deutschsprachigen Raum aufgrund der strikten Gesetze für den Transport von Verstorbenen unmöglich. Dieser Satz wird in unterschiedlichen Variationen noch öfter fallen.

...radikal zu Ende gedacht

Einen – oder eher einige dutzend - Schritte weiter treibt es die Idee (Link Urban Death Project), die Verstorbenen in Sägespänen, die ideale Verhältnisse für Mikroorganismen und reichlich Luftzirkulation bieten, im Eilverfahren zu kompostieren. Nach bereits wenigen Wochen soll nichts als Humus bleiben. Der kann dann beispielsweise für einen Gedächtnispark verwendet oder gar unter den Hinterbliebenen verteilt werden. Eine sicher wohlgemeinte, spirituelle Geste, die für viele aber wohl ein wenig zu intim sein könnte. Eine Frage, die sich in diesen Breiten aber ohnehin nicht stellt, da das Verfahren massiv den Bestattungsgesetzen widerspricht.

Von Wissenschaft…

Mit der Resomation kommt endlich etwas High-Tech ins Spiel. Der Körper wird unter Druck in einem heißen Laugenbad aufgelöst. Nach der sogenannten alkalischen Hydrolyse bleibt nichts außer Knochenfragmente und einer organischen Flüssigkeit übrig, die man angeblich problemlos im Kanal entsorgen kann. Laut manchen Anbietern wäre sie zwar auch gut als Düngemittel geeignet, aber es werden sich vermutlich wenige finden, die auf einen Dünger umsteigen, der existentielle Ethikfragen aufwirft. Resomation ist – richtig geraten – im deutschsprachigen Raum verboten, wird aber bereits länger von einigen amerikanischen Universitäten für die Entsorgung anatomischer Präparate verwendet und ist im angloamerikanischen Raum auch für Privatpersonen zumindest mancherorts legal.

...bis SciFi

Es geht aber noch sehr viel exotischer. Bei der Promession (nach dem lateinischen promissio für „Versprechen“ oder „Verheißung“) wird der Leichnam durch Aufsprühen flüssigen Stickstoffs schockgefroren und anschließend zu feinem, eisigen Pulver vibriert, dem abschließend sämtliches Wasser entzogen wird. Die so gefriergetrockneten Überreste werden dann in ein kompaktes Behältnis aus Pflanzenstärke gefüllt und beerdigt. Laut Hersteller ist so eine vollständige Zersetzung bereits in wenigen Monaten möglich. Da die Promession in einem Sarg beginnt und mit einer Erdbestattung endet, erfüllt sie die wesentlichsten Punkte der strikten deutschen Bestattungsgesetze und ist in einigen wenigen deutschen Bundesländern legal.

Von Gregor Schwayer
Am
Lesezeit 5 min

Follow

X

Zum Newsletter anmelden

* indicates required

Please select all the ways you would like to hear from GRAD:

You can unsubscribe at any time by clicking the link in the footer of our emails. For information about our privacy practices, please visit our website.

We use Mailchimp as our marketing platform. By clicking below to subscribe, you acknowledge that your information will be transferred to Mailchimp for processing. Learn more about Mailchimp's privacy practices here.