Wie alles begann… Eine kurze Geschichte des Deutschraps

Von philosophisch und tiefgründig zu provokant und zerstörerisch. Kaum eine andere Musikrichtung ist so vielfältig wie Deutschrap. Viele Lieder haben sich mittlerweile schon zum Mainstream etabliert. Doch inwiefern unterscheiden sich Musiker*innen, die heute beliebt sind, wie die KMN Gang von den Fantastischen Vier und wie ist Deutschrap überhaupt nach Deutschland gekommen?

Von Natalia Anders
Am
Lesezeit 5 Min

Begonnen hat alles mit dem Hip Hop in den USA, der in den 80er Jahren vor allem durch stationierte Soldaten nach Deutschland kam und den Deutschen Hip Hop  bis heute primär prägt. Vorerst wurde jedoch nicht auf Deutsch, sondern auf Englisch gerappt. Auf Deutsch zu rappen wäre zu altmodisch gewesen. So veröffentlichten Bands wie LSD die ersten englischsprachigen Rap-Alben Deutschlands Anfang der Neunzigerjahre. Deutscher Rap folgte aber schon bald mit Künstlern wie Äi-Thiem, MC Rene und der Anarchist Academy. Sofort gewann deren Musik die Zustimmung der Zuhörer*innen. Der Grund dafür ist das Publikum, denn nun waren die Liedertexte für jeden verständlich, viel mehr fühlten angesprochen und konnten sich mit den Lyrics identifizieren.   

Mit freundlichen Grüßen, die Welt liegt Deutschrap zu Füßen

Deutschrap wurde mit der Zeit immer populärer, schon bald liefen die Songs auf den damals allbekannten Musiksendern VIVA und MTV. Vor allem Hamburg spielt für die Entwicklung und Popularisierung des deutschen Hip Hops eine grundlegende Rolle, da die von dort aus stammenden Künstler, wie Nico Suave oder Samy Deluxe durch ihre einfachen und nachvollziehbaren Lieder über das tägliche Leben vor allem Jugendliche von ihrer Musik überzeugen. Den absoluten Durchbruch schafften aber die Fantastischen Vier, sowohl mit ihren Nonsens- und Spaßtexten, als auch mit niveauvollen und philosophischen Liedern. Heute noch kennt und hört man Lieder wie Die da?! oder MfG.

Zeiten ändern sich, Zeiten ändern Deutschrap?

Ab Mitte der Neunziger bis zum Beginn der Nullerjahre boomte der Deutschrap. Es hagelte an neuen Veröffentlichungen und viele verschiedene Genres entstanden. Zur Zeit noch besonders beliebt ist der Gangsta-Rap, auch Straßenrap genannt. Entstanden ist das Subgenre des deutschen Hip Hops schon in den Neunzigern, mit Rappern wie Azad und Kool Savas, die durch ihre aggressiven und grobschlächtigen Lyrics auffielen. In ihren Liedern behandelten sie vor allem das tägliche Leben Jugendlicher mit Migrationshintergrund in ärmlichen Verhältnissen. Durch die Kommerzialisierung dieser Musikrichtung gewannen Künstler wie Sido, Bushido oder Kollegah an Berühmtheit, die bis heute noch hält. Mit dem Aufkommen des Internet, insbesondere der Plattform YouTube, begannen auch deutsche Musiker*innen ihre Videos ins Internet zu stellen, denn dadurch war es einfacher an Zuhörer*innen zu kommen. Besonders bekannt ist das von Sido gegründete Musiklabel Aggro Berlin, das Musikvideos von diversen deutschen Rappern auf YouTube veröffentlicht.

Heutzutage ist YouTube das Medium für Musik, auch für Deutschrap. Am wichtigsten sind die Videoaufrufe, diese bestimmen wie beliebt ein Lied wirklich ist. Im Vordergrund der Rapszene steht zur Zeit die KMN Gang mit den Mitgliedern Miami Yacine, Zuna, Azet und Nash. Das sind Deutschrapper, deren Musikvideos auf YouTube Millionenfach geklickt werden. Zum Beispiel hat Miami Yacines Lied Kokaina knapp Hundert Millionen Klicks, Nummer 1 von Zuna über 42 Millionen. Obwohl Deutschrap vor allem heute durch seine teils provokativen Texte kritisiert wird, ist es bei vielen Jugendlichen ein beliebtes Genre und wird dies voraussichtlich in naher Zukunft bleiben.

Von Natalia Anders
Am
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