WG Report: #2

Für unser Monatsthema haben wir uns in einigen Wohngemeinschaften umgehört, um euch einen Überblick über die Vor- und Nachteile und die bunte Vielfalt des Wohnens in Wien zu geben. Heute besuchen wir eine Dreier-WG in Wieden, in der sich die Anfänge einer jungen Liebe abspielten, die die WG letztlich auseinanderrissen.

Von Helena Velaj
Am
Lesezeit 4 Min

Sebastian, Melanie und Julian wohnen seit einem Jahr zusammen. Seitdem geht es bei ihnen rund. Die drei lernten sich über eine WG-Suchmaschine kennen und zogen in eine gemeinsame Wohnung im vierten Wiener Gemeindebezirk. Die Wohnung fanden sie über einen Familienfreund von Sebastian, der sie ihnen für die Lage günstig vermietete: 93qm für 1000€ kalt. Drei Schlafzimmer, eine große Wohnküche und sogar ein kleiner, hofseitiger Balkon bilden den Grundriss der Wohnung.

 

Von Anfang an waren sich Melanie und Julian sympathisch und fühlten sich zueinander hingezogen. „Da war eine gewisse Spannung, die man gar nicht erklären kann. Wir wollten einfach immer beieinander sein. Anfangs dachten wir aber, dass wir einfach nur sehr gute Freunde werden würden“, so Melanie. Sebastian hingegen hatte es von Anfang an bemerkt: „Sofort wusste ich das. Ich hatte eigentlich nur die Hoffnung, dass die zwei genug Verstand haben, so etwas nicht in der WG zu tun.“ Nach ungefähr drei Monaten passierte es dann aber doch. Die beiden schmusten nach einem gemeinsamen Abend.

Von da an nahm die Geschichte ihren Lauf: Anfangs war das Verhältnis noch noch sehr harmonisch, doch die Vorstellungen von Melanie und Sebastian gingen immer wieder auseinander und dann doch wieder in dieselbe Richtung. Zum einen wollten beide ungebunden bleiben und nur Spaß miteinander haben. Zum anderen waren sie eifersüchtig, wenn der jeweils andere auf Dates ging, sich auf Tinder umsah, beim Weggehen mit anderen Leuten sprach. Über ihre Gefühle sprachen sie allerdings nie. Eine explosive Mischung.

Sebastian fand sich genau dazwischen. Gemeinsame WG-Aktivitäten rutschten immer mehr in den Hintergrund und er musste sich quasi immer entscheiden, mit wem er etwas unternehmen wollte, denn viel Zeit als gemeinsame Dreier-WG verbrachten sie ab einem gewissen Zeitpunkt nicht mehr. Das WG-Leben litt heftiger unter der inzwischen zur Feindschaft gewordenen Beziehung von Julian und Melanie, die es nicht mehr schafften, eine Grenze zu ziehen, um die Stimmung in der WG zu bewahren.

Sebastian war zunehmend genervt von der Stimmung in der WG. „Es war unfassbar kindisch. So blöd muss man sein, dass man so etwas anfängt und dann auch noch nicht mit den Konsequenzen leben kann.“ Zeitweise überlegte er sogar auszuziehen, doch die Idee verwarf er schnell. „Warum sollte ich ausziehen, wenn ich keine Schuld an der Situation habe? Ich habe die Wohnung ja gerne. Wir zahlen nicht so viel Miete, die Lage ist super, mein Zimmer ist groß. Alles passt und außerdem kam die Wohnung sowieso über mich.“

 

Schlussendlich zog Julian aus. Er lernte jemanden kennen mit dem er fest zusammen sein wollte und konnte die WG und die Vorgeschichte mit Melanie, die noch in der Luft lag, nicht mit seiner neuen Beziehung vereinbaren. Kontakt zu Sebastian hat er noch. Sie treffen sich gerne - wenn auch nie in der WG. Dieses Kapitel scheint geschlossen zu sein. Das Leben auf 93qm gestaltet sich schwierig, wenn dort verflossene Liebschaften wohnen.

Von Helena Velaj
Am
Lesezeit 4 Min

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