WG-Report: #1

Für unser Monatsthema haben wir uns in einigen Wohngemeinschaften umgehört um euch einen Überblick über die Vor- und Nachteile und die bunte Vielfalt des Wohnens in Wien zu geben. Heute besuchen wir eine Vierer-WG in Donaustadt:

Von Helena Velaj
Am
Lesezeit 4 Min

Aleksandra, Daniela, Michael und Gabriel wohnen nun schon seit fast einem Jahr zusammen in einer ungefähr 80m² großen Wohnung im 22. Wiener Gemeindebezirk. Gabriel kam als letzter hinzu. Vor einem Jahr im Sommer zog die vorige Mitbewohnerin von Aleksandra und Daniela aus. Daraufhin starteten sie ein Übergangsprojekt bis sie den/die passende Mitbewohner*in gefunden hatten: Sie vermieteten das freie Zimmer auf AirBnb. Das funktionierte relativ reibungslos und sie verdienten in kurzer Zeit gutes Geld. Ganz ohne Stress lief es aber auch nicht, meinte Aleksandra.

Dass das keine dauerhafte Lösung war, war von Anfang an klar. Dennoch, in der kurzen Zeit lernten sie viele nette Leute aus aller Welt kennen und saßen auch öfter abends mit ihnen zusammen, wie zum Beispiel mit einem Paar aus den USA, das sie schnell ins Herz geschlossen hatten. Es war allerdings eine Erfahrung, die zu einem Ende kommen musste. Für das Zimmer verlangten sie nicht viel - 40€ pro Nacht waren es. Aufgrund der Lage direkt an der U-Bahn und des Preises waren sie innerhalb von Tagen ausgebucht. Mit dem Gewinn, den sie verzeichneten, taten sie sich selbst einen Gefallen - sie investierten in die Schallisolierung der WG-Zimmer. Seitdem herrscht für jede/n optimale Ruhe. Als sie dann letztlich wieder einen dauerhaften Mitbewohner haben wollten, dauerte die Suche auch nicht lange. Bereits nach wenigen Tagen kam Aleksandra eines Abends in Danielas Zimmer geplatzt und verkündete, dass sie jemanden gefunden hat, der noch am selben Tag einziehen würde. Allerdings erst spät in der Nacht, weshalb sie Daniela bat, aufzubleiben um ihn in Empfang zu nehmen. Gestört hatte das die anderen nicht, denn schließlich war es auch bisher Aleksandra gewesen, die ihre AirBnB Gäste ausgewählt hatte und mit denen gab es nie Probleme. “Da gehört auch Vertrauen dazu”, sagt Daniela.

So kam es, dass Gabriel, Ende 20 aus Dänemark, mitten in der Nacht in der WG einzog. Zuvor war er in den Niederlanden gewesen und hatte über einen gemeinsamen Kontakt von dem freien Zimmer in der Wohngemeinschaft erfahren. Da er gerade ein Jobangebot in Österreich erhalten hatte und auf der Suche war, kam ihm das gerade recht.

 

Weil Gabriel und Aleksandra beide nicht aus Österreich sind, war die WG-Sprache zu Anfang Englisch. Obwohl sie beide mittlerweile sehr gut Deutsch sprechen, blieb es dabei, weil es sich komisch anfühlte, plötzlich die Sprache zu wechseln.

Trotz anfänglicher Sprachbarrieren musste Daniela ihren Mitbewohnern nie mit Amtswegen oder offiziellen Dokumenten helfen. “Das haben sie selber gemacht, einzig als Gabriel einmal Schwierigkeiten beim Magistrat hatte, griff ich ihm ein wenig unter die Arme, aber den Rest hat er echt selber gemacht”, so Daniela.

Zusammen unternimmt die Vierer-WG nicht viel, allerdings nicht aus Mangel an Interesse, sondern aus schlichtem Zeitmangel. “Wir sind alle vier berufstätig und arbeiten in Branchen, in denen Überstunden und lange Arbeitszeiten dazugehören, da ist es schwierig sich abends zusammenzusetzen und fernzusehen. Vor allem Michael bekommt man fast nie zu Gesicht, der schläft hier eigentlich nur.”, kommentiert Gabriel den WG-Alltag. Schlimm scheint das allerdings für die vier nicht zu sein, sie setzen eher auf spontanes Zusammenkommen beim Essen. “Eine Zeit lang hat Dani immer viel zu viel gekocht und das durfte ich immer aufessen, das war toll. Da sind wir auch häufig gemeinsam beim Essen gesessen.”, erinnert sich Gabriel zurück.

Zu Streitereien kommt es nicht. Alle vier sind eigenen Angaben zufolge mittlerweile reif genug, offenen und respektvollen Umgang miteinander zu pflegen, der vor allem durch ehrliche Kommunikation intakt gehalten wird. Daher funktioniert auch der Putzplan einwandfrei - alle Mitglieder der WG sind verantwortungsvolle Menschen. Wie bei jeder Wohngemeinschaft gibt es allerdings auch hier ein Ablaufdatum - die Miete ist zwar günstig, die Zimmer groß und das Zusammenleben harmonisch, allerdings hat jede/r eigene Pläne und Wünsche. Zusammenziehen mit dem Freund, alleine Wohnen oder weiterhin in der WG bleiben, über kurz oder lang wird sich die WG-Konstellation ändern.

Von Helena Velaj
Am
Lesezeit 4 Min

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