Von kriegsentscheidenden Katzen und geknickten Pyramiden...

Die Geschichte des altägyptischen Reichs ist vor Allem eines: lang. So lebte zum Beispiel Kleopatra zeitlich deutlich näher am Bau des Burj Khalifa, als am Bau der Pyramiden von Gizeh. In diesen immensen Zeitraum fielen nicht nur Glanz und Glorie, sondern auch Fehlgriffe von der Größenordnung „Hoppala“ bis hin zur handfesten Katastrophe. Wir bringen euch heute dazu drei weniger bekannte Geschichten: (Teaserbild Credit Olaf Tausch)

Von Gregor Schwayer
Am
Lesezeit 8 Min

Als Katzen einen Krieg gewannen…

Man möchte meinen, wir leben im katzenfreundlichsten aller Zeitalter überhaupt – die Stubentiger haben das Internet erobert und sind millionenfach liebevoll umsorgte Haustiere auf der ganzen Welt – aber das antike Ägypten ging noch um einiges weiter. Tiere im Allgemeinen spielten oft eine religiöse Rolle im alten Ägypten, aber Katzen hatten eine besonders ausgeprägte Bedeutung. Sie standen in Verbindung mit den löwen- oder katzenköpfigen Göttinnen Sekhmet und Bastet. Sekhmet war eine Kriegs- und Rachegottheit, die auch mit Heilkraft in Verbindung stand und vor allem in der älteren Tradition besonders verehrt wurde. Auch Bastet wurde ursprünglich vor allem als eine mächtige Kriegerin verehrt, wurde aber im Laufe der Zeit vor allem eine Schutzgottheit für Haus und Heim. Gesundheit lag auch in ihrem Aufgabenbereich – insbesondere die Gesundheit von Frauen und damit auch Fruchtbarkeit und Schwangerschaft. Die großen Überlappungen zwischen den beiden Gottheiten legen nahe, dass es sich ursprünglich um ein und dieselbe Entität gehandelt haben konnte. Jedenfalls waren sowohl Sekhmet als auch Bastet zentrale Bestandteile der altägyptischen Religion und alle Katzen waren ihnen heilige Tiere, die in großen Ehren gehalten und oftmals sogar mumifiziert und aufwändig bestattet wurden. Katzen zu töten stand unter Todesstrafe und im Leben danach hatte der Täter auch noch mit dem Zorn der Göttinnen selbst zu kämpfen.

Kambyses II., König des persischen Achämenidenreichs im 6. Jh. v. C., wusste das. Er war ein Kenner und Freund ägyptischer Kultur und als er – angeblich aufgrund einer Beleidigung, wahrscheinlich aber einfach, weil das Pharaonenreich zu dieser Zeit stark geschwächt war – in Ägypten einfiel, machte er sich dieses Wissen zu Nutze.

Die Ägypter unter dem jungen Pharao Psamtik III. erwarteten die Perser in stark befestigten Stellungen, die einzunehmen zu großen persischen Verlusten geführt hätte. Deshalb befahl Kambyses II. seinen Soldaten Bilder von Katzen auf ihre Schilder zu malen und alle Katzen und sonstigen den Ägyptern heiligen Tiere der Umgebung zu sammeln und vor dem Heer herzutreiben. Die ägyptischen Soldaten waren so tief in ihrer Religion verwurzelt, dass allein der Gedanke, den Zorn ihrer Götter auf sich ziehen zu können, sie davon abhielt, die Waffen zu erheben. Die meisten versuchten zu fliehen und wurden von den katzenwerfenden Invasoren scharenweise getötet. Ägypten fiel kurz darauf. Soviel zum Allgemeinplatz, Kulturwissenschaften hätten keine praktischen Anwendungsmöglichkeiten.

Gerade in der neueren Forschung gönnt man Kambyses II. ein gewisses Maß Anerkennung, da er auf diese zwar extrem unfaire Art und Weise immerhin den noch größeren Blutzoll eines lang andauernden Krieges, der am Schluss wahrscheinlich den selben Ausgang genommen hätte, verhindert hat. Außerdem baute er sämtliche eroberte Städte wieder auf und zollte seinen neuen Untertanen weitgehend Respekt.

Die Hoppala Pyramide von Dashur

Geometrisch einwandfreie Pyramiden zu bauen, war mit den Möglichkeiten des antiken Ägypten extrem schwierig – sowohl aus mathematischer wie auch aus architektonischer Sicht. Umso beeindruckender ist es, wie oft es gelungen ist. Uns ist allerdings auch ein Beispiel dafür erhalten, wie es auf halber Strecke schief ging. Die unter Pharao Snofru errichtete Pyramide von Dashur hätte beim ursprünglich geplanten Neigungswinkel ihrer Seiten gut 125m hoch werden sollen. Ab der halben Höhe wurde allerdings klar, dass weder Material noch Bodenbeschaffenheit einem solchen Monument standhalten würden. Der Druck auf die inneren Kammern war zu groß, der Boden zu weich. Die Baumeister gaben allerdings nicht auf, sondern setzten einfach einen Deckel mit einem flacheren Winkel darauf. Das Ergebnis ist mit über 100m Höhe immer noch die viertgrößte Pyramide Ägyptens und ein Monument für sowohl die Fehlbarkeit großer Unternehmungen als auch einer gesunden Einstellung im Umgang damit.

Pharao Pepi II., Erfinder…?

Die Geschichte des alten Ägypten ist von abwechselnden goldenen Zeitaltern und Zeitaltern des Niedergangs geprägt. An den Anfang eines solchen Tiefs fällt die Regierungszeit Pepis II. Er war wahrscheinlich Ägyptens längstregierender Pharao und seine Herrschaft war geprägt von Stagnation und einer schrittweisen Dezentralisierung der Macht. Er bestieg den Thron bereits mit 6 Jahren und eine der wenigen erhaltenen Abbildungen von ihm zeigt ihn im vollen Herrscherornat am Schoss seiner Mutter sitzend. Eine für Pharaonen ausgesprochen unübliche Darstellung. Auch die von ihm erhaltenen Anekdoten legen nahe, dass er eine gewisse Kindlichkeit an den Tag legte. Als einer seiner Untertanen auf einer Expedition einen kleinwüchsigen Menschen fand und mitnahm, war dieser es, der Pepi vor allem anderen interessierte – nicht, ob Ressourcen gefunden oder diplomatische Kontakte geknüpft wurden. Man möge ihm, wie er gesagt haben soll, nur ja den „Tanzzwerg“ heil in die Hauptstadt bringen, sonst setze es was! Auch sollen sich seine Interessen stark ums Essen gedreht zu haben und zumindest in dieser Hinsicht war er innovativ. Er hasste es, dabei von Fliegen gestört zu werden und ließ deshalb angeblich Sklaven in Honig tauchen und in den Zimmern des Palasts verteilen. Die Fliegen hatten angesichts solcher Alternativen natürlich kein Interesse mehr an ihm…

Von Gregor Schwayer
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