Vom Sammelspaß zu Rollenspielen: Drei verrückte Freizeitaktivitäten

Jede*r kennt die Klassiker: Fußball, Filme, Fitnesscenter. Doch wem das zu langweilig ist, der kann seine Freizeit auch anderweitig verbringen. (Teaserbildcredit: Shutterstock)

Von Franziska Windisch, Gregor Schwayer
Am
Lesezeit 6 Min

Sammelspaß

Im Grunde kann man ja eigentlich für ziemlich Vieles eine Sammelleidenschaft entwickeln. Egal, ob es nun klassische Briefmarken oder vielleicht Fußballsticker sind. Kinder der Neunziger- bzw. anfänglichen Zweitausenderjahre können sich aber vielleicht auch noch an Mappen voll mit Diddlblättern erinnern. Ja genau, es geht um die kleine, graue Maus, die einiges an Bekanntheit erlangt und beim Erfinder für klingelnde Kassen gesorgt hat. Dieser zeichnete im Jahre 1990 eigentlich ein Känguru, das mit der Zeit zu der etwas unförmigen Maus mutierte. Für lange Zeit übernahm den Vertrieb eine deutsche Firma, seit ein paar Jahren liegen die Rechte wieder beim Zeichner Goletz, der den Hype neu aufleben lassen möchte und auch schon - wie man das eben im Jahre 2018 so macht - einen Instagram-Channel für die Kultfigur ins Leben gerufen hat. Tatsächlich gibt es immer noch einen Haufen Leute, die viel Zeit dafür opfern (und Geld investieren), um ihre Sammlung zu erweitern. Ein Tipp: Werft mal einen Blick auf den Dachboden oder in die Abstellkammer eurer Eltern, um den Zustand eurer Diddl-Sammlung zu prüfen. In die Jahre gekommene Sammlerstücke könnten im Netz noch ordentlich Geld abwerfen.

Rollenspiele on- und offline:

Habt ihr euch schon einmal gefragt, wie Minecraft als MMORPG wäre? Wer jemals auf einem öffentlichen Minecraft-Server war, denkt jetzt wohl an brennende Ruinen voller Mütter beschimpfender Zwölfjähriger. Aber was wäre, wenn von Anfang an Kooperation ins Zentrum gestellt und aktiv belohnt werden würde? Boundless beantwortet diese Frage. Nur mit einem Totem ausgerüstet wird man auf einen der vielen Planeten des Spiels gesetzt und sich selbst überlassen. Das vage Ziel ist es zu überleben. Wer das mit mehr Ambition als einer Schlammhütte und gelegentlichem Beerenpflücken verfolgen will, braucht zwei Sachen: Werkzeuge und Maschinen. Dafür wiederum braucht es vor allem Ressourcen und Erfahrung. Während sich die ersten primitiven Hämmer und Äxte noch flott selbst auf einer Werkbank zusammenzimmern lassen, braucht es für die Fabriken und Generatoren später schon so viel Aufwand, dass sich das Bilden von ersten, kleinen Gruppen fast von alleine ergibt. Für “late game”-Errungenschaften wie den Betrieb interplanetarer Portale, braucht es schon eine stattliche, arbeitsteilig koordinierte Dorfgemeinschaft. Dieser das ganze Spiel durchdringende Sinn für Gemeinschaft ist an allen Ecken und Enden sichtbar: Die ersten gemeinnützig betriebenen Portale entstehen in der Regel innerhalb weniger Wochen nach Serverstart, es gibt eigene durch Spenden betriebene Geschäfte, die Neulingen Werkzeug unterhalb des Selbstkostenpreises verkaufen und es ist keine Seltenheit, dass ein*e Nachbar*in einfach mal vorbeischaut, um zu sehen, ob man Hilfe braucht. Klingt kitschig? Ist es beinahe auch. Aber es gibt einem auch ein kleines bisschen den Glauben an die (Online)Menschheit zurück.

Nach einer sehr langen Early Access Phase geht das Spiel des kleinen britischen Developers Wonderstruck jetzt demnächst in den Release und wird auf Steam erhältlich sein. Seht doch mal rein!

Achja… Werwölfe von Düsterwald. Das Kultgesellschaftsspiel, das mehr Freundschaften auf dem Gewissen hat als Monopoly. Das Grundprinzip ist so einfach, wie es brillant ist: Eine Dorfgemeinschaft wird von Werwölfen heimgesucht, die jede Nacht neue Opfer fordern. Die Spieler*innen werden via Karten entweder den Bürger*innen oder den Werwölfen zugeteilt. Jede „Nacht“ einigen sich die Werwölfe, die sich untereinander kennen, auf ein Opfer. All das geschieht im Stillen und während der Rest der Spieler*innen die Augen geschlossen hält. Jeden „Tag“ darauf berät die Dorfgemeinschaft, wer wohl die Schuldigen sein könnten. Die Werwölfe diskutieren natürlich inkognito eifrig mit und versuchen von sich abzulenken. Schließlich kommt es zu einer Abstimmung, wen das Plenum für einen Werwolf hält und die Person scheidet aus. Das Spiel endet, wenn eine der beiden Fraktionen auf diese Art eliminiert ist. Das macht schon im Freundeskreis eine Menge Spaß, aber je besser sich die Spieler*innen kennen, desto weniger effektiv sind die gesponnenen Intrigen. Wie wäre es deshalb mal mit einer ganz großen Runde, die völlig unbekannt ist? Einige Lokale in Wien (so etwa die Spielbar) haben mittlerweile Werwolfabende, an denen teils riesige Gruppen teilnehmen. Wohlige Paranoia auf einem ganz neuen Level. Es muss ja nicht immer Pubquiz sein!

Eins, zwei, drei.. Ich gründe eine Partei!

Neues Hobby, Parteigründung? Sind wir uns ehrlich, es wäre wahrscheinlich vermessen, hier tatsächlich von einem Hobby zu sprechen. Engagement in einer politischen Partei oder einer sogenannten Vorfeldorganisation, also einem einer Partei nahestehenden Verein ist jedoch alles andere als ungewöhnlich und außerdem auch noch relativ zeitaufwendig. In Österreich gibt es neben den bekannten Bündnissen, die zu Bundes- und Landeswahlen antreten auch noch viele regionale Listen, in denen vor allem auf Freiwilligenarbeit zurückgegriffen werden muss. Darüber hinaus sind im österreichischen Parteienverzeichnis aber noch viele andere Zusammenschlüsse - insgesamt sind es 1110 - vermerkt, von denen einige wohl eher unter die Oberbegriffe Karteileichen bzw. “b’soffene G’schicht” fallen. Sind Parteien erstmal im Register vermerkt, so bleiben sie dort nämlich auch wenn keine Absicht zur politischen Tätigkeit besteht oder die Partei mitunter gar nicht mehr existiert. Hier meine Highlights:

  • Ein aktueller Neuzugang: Seit 10. August 2017 gibt es die “Austria Beauty Party - Wir.Wollen.Fortschritt”.

  • Eine Besonderheit ist auch die Anti-Korruptions-Partei mit der Augenzwinker-Abkürzung AKP.

  • Sehr überzeugend klingt auch “"DIE BESTE PARTEI - Die Partei für Frieden, Freiheit, Fröhlichkeit", die 1992 registriert wurde.

  • Wieviele Biere bei der Registrierung der "Gaddavista Partei Österreichs", der "Illuminare" oder der "Kini vo Wös oder Kwini vo Wös" im Spiel waren, möchte ich wahrscheinlich auch nicht wissen.

Von Franziska Windisch, Gregor Schwayer
Am
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