Unsere Top 5 der EU Förderfails

Der Löwenanteil des EU-Budgets wird in Landwirtschaft und strukturelle Entwicklung gesteckt. Das sind hehre Ziele und es wird oft Großartiges mit dem Geld geleistet. Oftmals aber auch nicht. Unklare Zuständigkeiten und unzureichende Kontrollmaßnahmen sorgen immer wieder dafür, dass EU-Gelder in die abstrusesten Dinge fließen. Hier ist unsere Top 5:

Von Gregor Schwayer
Am
Lesezeit 4 Min

5) Unterwasser Radweg

Türkises Wasser, verträumte Dörfer und eine romantische Burg. Der Trasimenische See in Umbrien ist eine Augenweide und touristisch sehr beliebt. Als bei der EU um Fördergelder für einen Radweg um den See angesucht wurde, ließ sie sich daher nicht lange bitten. Die Umsetzung erfolgte dann allerdings geradezu spektakulär inkompetent. Er wurde entgegen der ursprünglichen Pläne viel zu nahe am See gebaut. Das Ergebnis: Er schneidet nun nicht nur durch Naturschutzgebiete, sondern ist in weiten Teilen auch regelmäßig unter Wasser. Taucherbrille und Schnorchel nicht vergessen auf der nächsten Radtour!

4) Arbeitslose Hebebrücke

Im tschechischen Kolin sollte eine neue Brücke gebaut werden. Brücken sind neben Straßen quasi das tägliche Brot des EU-Infrastrukturbudgets, also wurde bei der Vergabe der entsprechenden Förderung nicht lange gefackelt. In Kolin ließ man sich auch nicht lumpen und hat mit den bereitgestellten 900 Millionen Euro eine nagelneue Hebebrücke gebaut, die große genug war, um sogar dreistöckige Containerschiffe passieren zu lassen. Verkehrsentlastung und freier Weg für den Schiffshandel – klingt wie eine Win-Win-Situation! Das Problem: Es fahren keine dreistöckigen Containerschiffe durch Kolin. Die Hebebrücke hat sich also bisher nicht gerade einen Bruch gehoben.

3) Doppelte Ernte

Eine schockierend häufige Praxis insbesondere in Osteuropa ist unser dritter Platz. Die EU fördert Landwirtschaftsflächen, wenn diese aktiv genutzt werden. Findige Besitzer solcher Flächen verpachten sie für teures Geld und lagern damit die Nutzung aus, streichen aber die Förderungen dafür selbst ein. Doppeltes Geld ganz ohne Aufwand.

2) Champagnergate

Kein gutes Haar lässt die ENF gemeinhin an der EU. Zu gut für einen Schwipps auf ihre Kosten sind sich einige Mitglieder der EU-Parlamentsfraktion Europa der Nationen und Freiheit, zu der auch die FPÖ gehört, aber scheinbar nicht. Fast eine halbe Million Euro aus EU-Mitteln ließ sie 2016 für Champagner, teures Essen und Geschenke springen. Die Zeche zahlte der Steuerzahler. Nach einer Beschwerde des Haushaltskontrollausschusses soll das Geld aber zurückgefordert werden.

1) Schlösser und Luftkissenboote

Wäre es keine gravierende Straftat, müsste man die Italiener, die den folgenden Coup gelandet haben, beinahe für ihre Kreativität loben. Unter dem Deckmantel einer erfundenen internationalen Firma wandten sie sich and die EU mit der Bitte um Fördergelder für die Entwicklung neuartiger Luftkissenboote, die im Katastrophenschutz eingesetzt werden sollten. Präsentationen, Dokumente und sogar ein Prototyp wurden gefaked. Die EU war überzeugt und förderte das Projekt mit fast eineinhalb Millionen Euro. Um der Sache noch mehr James Bond Flair zu verleihen, wanderte das abgezockte Geld in die Finanzierung von Hypotheken auf einem Schloss. Für uns eindeutig der verdiente erste Platz!

Von Gregor Schwayer
Am
Lesezeit 4 Min

Follow

X

Zum Newsletter anmelden

* indicates required

Please select all the ways you would like to hear from GRAD:

You can unsubscribe at any time by clicking the link in the footer of our emails. For information about our privacy practices, please visit our website.

We use Mailchimp as our marketing platform. By clicking below to subscribe, you acknowledge that your information will be transferred to Mailchimp for processing. Learn more about Mailchimp's privacy practices here.