The more the merrier

Als Leonhard Vierzehn Jahre alt war, wuchs seine Familie um zwei Mitglieder. Seine Eltern fingen eine Dreiecksbeziehung mit einer anderen Frau an. Ich habe mich mit ihm getroffen, um zu erfahren, wie es für ihn war, anstatt zweier Elternteile auf einmal drei zu haben.

Von Natalia Anders
Am
Lesezeit 5 Min

GRAD
Hallo und danke, dass du dir die Zeit für das Interview genommen hast. Möchtest du dich vielleicht vorstellen und etwas über deine Familiensituation erzählen?

 

Leonhard
Ja klar, ich heiße Leonhard, meine Eltern haben sich als ich vierzehn war eine neue Frau in ihre Beziehung geholt. Sie war eine Frau, die meine Eltern schon länger kannten und sie haben mit ihr zusammen in einer Organisation gearbeitet. Als sie zusammengekommen sind, gab es ein Jahr quasi eine Übergangsphase, wo sie uns gesagt haben, dass sie eine andere Frau in ihr Leben miteinbeziehen wollen, ein Jahr später ist sie bei uns und ihrem jüngeren Sohn eingezogen.

 

GRAD
Wie war das für dich und deine Geschwister so, wie habt ihr darauf reagiert, als ihr es erfahren habt?

 

Leonhard
Ich war eher offen, für mich und meine Geschwister war am wichtigsten, dass meine Eltern sich nicht trennen und dass sie glücklich sind. So lange sie glücklich sind, habe ich meiner Meinung nach nicht viel mitzureden. Meine Geschwister haben das eigentlich auch so gesehen. Für meine älteste Schwester war das jedoch ein bisschen anders, weil sie da schon ausgezogen ist.

 

GRAD
Verstehst du dich gut mit deiner Stiefmutter?

 

Leonhard
Ja, ja, sie ist inzwischen schon ein wichtiger Teil der Familie geworden.

 

GRAD
Wie war das in deiner Schule? Bist da auch so offen damit umgegangen?

 

Leonhard
Ich habe zwar nicht sofort jedem davon erzählt, aber nach einem Jahr hatte ich eigentlich kein Problem darüber zu reden.

 

GRAD
Hattest du nie die Angst, dass du aufgrund deiner Familiensituation gehänselt werden würdest?

 

Leonhard
Nein, also das wäre vielleicht anders gewesen, wäre ich jünger. Aber ich habe auch eigentlich von allen Seiten immer gutes Feedback bekommen, es war nie wirklich so, dass irgendwer es komisch gefunden hat, sondern die Leute fanden es eher interessant.

 

GRAD
Ich habe das Gefühl bekommen, dass du sehr offen mit der Dreiecksbeziehung deiner Eltern umgehst. Warum ist das so, hast du nie Angst, dass Leute dich kritisieren oder nicht akzeptieren?

 

Leonhard
Mir persönlich war es eigentlich immer egal, wie die Leute darüber gedacht haben, das einzige, das mich vielleicht beunruhigt hätte, wäre, wenn es einen Einfluss auf das Leben meiner Eltern gegeben hätte. Ich gehe außerdem damit so offen um, weil ich glaube, dass mittlerweile der Großteil der Menschen das akzeptieren sollte und weil ich einfach nicht verstehe, warum man den Weg, den meine Eltern eingeschlagen sind, verstecken sollte. Man muss auch dazu sagen, dass diese Dreiecksbeziehung so nicht mehr existiert, meine Mutter hat sich vor einem halben Jahr getrennt und ist jetzt mit einer anderen Frau zusammen und mein Vater und meine Stiefmutter sind zu zweit. Es gab auch überhaupt nie Streit zwischen denen, es kommt generell glaube ich viel darauf zurück, dass wir eine gute Redekultur in unserer Familie haben und dass wir das von Anfang an offen angegangen sind. Wobei man auch dazu sagen muss, dass die Dreiecksbeziehung nie super einfach war. Meine Mama hatte zum Beispiel das Gefühl, sie ist jetzt schon seit über zwanzig Jahren mit meinem Vater verheiratet, und plötzlich ist diese andere, jüngere Frau da und meine Stiefmutter, fand es manchmal schwierig, sich in eine Beziehung, die es schon seit über zwanzig Jahren gab, richtig einzubauen.

 

GRAD
Nennst du deine Stiefmutter eigentlich auch “Mama”?

 

Leonhard
Nein, aber ich habe aber auch meine Eltern immer mit ihrem Vornamen angesprochen, das war einfach so in unserer Familie.

 

GRAD
Glaubst du, hast du durch die Dreiecksbeziehung deiner Eltern selbst auch einen anderen Bezug zu Partnerschaft und Liebe als der oder die Durchschnittsösterreicher*in, glaubst du hat dich deine Familiensituation verändert?

 

Leonhard
Vielleicht ein bisschen, aber nicht wirklich. Ich könnte mir selbst auch keine Dreiecksbeziehung vorstellen. Ich würde mich aber eher als eine monogame Person definieren, bin dem aber auch nicht komplett abgeneigt.

Von Natalia Anders
Am
Lesezeit 5 Min

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