Sex all across the world

Thailand, Brasilien, Ukraine. Auf den ersten Blick haben diese drei Länder kaum etwas gemein. Wer sein Augenmerk jedoch auf die dunklen Seiten der Länder wirft, erkennt: Hier ist der Sextourismus groß. Ob Amerikaner in Brasilien, Australier in Thailand oder Nordeuropäer in der Ukraine und anderen Teilen Osteuropas, für Sex wird gezahlt und nicht nur das hat seinen Preis.

Von Helena Velaj
Am
Lesezeit 6 Min

Die Fußball-Europameisterschaft in der Ukraine hatte große Protestwellen im Land ausgelöst. Nicht nur über die schlechten Arbeitsbedingungen waren die Einheimischen erzürnt, sondern auch über die Sexarbeit, die im großen Stil zugenommen hatte. Die Ukraine sei nicht Europas Bordell, sagte Femen Anführerin Alexandra Schewtschenko in einem Interview mit der Zeit. Prostitution ist in der Ukraine offiziell illegal.

 

Für viele weckt das Wort Sextourismus Bilder von Südostasien, von Thailand, Bali oder vielleicht Indien. Dass der Geschäftszweig auch in Europa blüht, wird vergessen. Vor allem Osteuropa wird gerne als Ziel aufgesucht, Skandinavier verschlägt es ins Baltikum. Häufig stammen die Frauen aus armen Verhältnissen, wurden durch Menschenhändler verschleppt, verkauft und zwangsprostituiert.

 

Zur Lage der Ukraine sagte Femen-Aktivist Wiktor in einem Spiegel-Interview, dass Prostitution kein Frauen-, sondern ein Männerproblem sei. Polizisten, Taxifahrer. Alle würden für das nötige Kleingeld wegschauen, alle würden Kasse machen.

Rest and Recreation

Die Geschichte des Sextourismus in Asien geht auf den Vietnamkrieg zurück, als für amerikanische Soldaten die sogenannten „Rest & Recreation Center” errichtet wurden, ein Ort an dem sie sich vom Krieg erholen sollten. Mit der erhofften Ruhe und Erholung stieg auch der Bedarf an Prostituierten kontinuierlich an und als die Soldaten abgezogen wurden,  übernahm der Tourismussektor den neuen Geschäftszweig. 

 

Durch den Boom im Tourismusbereich wurde in Thailand vielerorts der landwirtschaftliche Sektor vernachlässigt. In der Hoffnung sie würden ihnen ein besseres Leben in der Stadt ermöglichen, verkauften arme Familien in der Not Kinder an Schlepper-Banden. Brennpunkte für Kinderprostitution in Asien sind Vietnam, Thailand und Kambodscha. Für ganz Südostasien werden über zehn Millionen SexarbeiterInnen geschätzt, in Thailand alleine sind ein Drittel der SexarbeiterInnen minderjährig. Ihre Anzahl wird auf bis zu 800.000 geschätzt.

Amplified & Multiplied

 Sextourismus gilt als ein HIV-verbreitender Faktor. Durch den ungeschützten Geschlechtsverkehr verbreitet sich das Virus rapide. Nicht nur Sexarbeiter*innen tragen ihn in sich, sondern auch Infizierte, die angereist kommen, geben ihn weiter. 

 

Laut UNAIDS waren im Jahr 2018 fast sechs Millionen Menschen im Asien-Pazifik Raum Träger des HI-Virus. Das Risiko HIV-Träger*in zu sein ist bei Sexarbeiter*innen zwölf mal höher als beim Rest der Bevölkerung. Das Beispiel Thailand zeigt, dass mit gezielten Maßnahmen der Regierung die HIV-Rate sinken kann. In den Neunzigerjahren startete die thailändische Regierung eine Kampagne bei der Kondome an Sexarbeiter*innen verteilt wurden. Seitdem san die Ansteckungsrate.

It's a mans world

Viel seltener als Männer, die für Sex zahlen, sind Frauen, die selbiges tun. Doch die Zahl steigt. Die Dunkelziffer ist in diesem Bereich der Prostitution hoch, da das soziale Stigma um den Erwerb von Sex bei Frauen ein anderes ist als bei Männern. Während sich viele Männer in Internetforen damit rühmen in Thailand möglichst viele junge Frauen „verführt“ zu haben, bekennen sich nur wenige Frauen zur Inanspruchnahme dieser Dienste.Doch es ist nicht nur das fehlende öffentliche Geständnis, das statistische Einschätzungen erschwert, es ist auch der Unterschied im Zustandekommen. 

 

Bei Männern führt der Weg meistens über ein Bordell, bei Frauen hingegen handelt es sich häufig um einen Tourguide, eine Urlaubsbekanntschaft von der Bar, die fortan begleitet und schlussendlich für die erbrachte und erhoffte Leistung bezahlt wird.  Dabei kann es sich um Entlohnungen in Form von teuren Geschenken wie Autos, Kleidung und Uhren oder eine Finanzspritze für die Eröffnung eines eigenen Geschäfts handeln. 

GRAD empfiehlt

Louis Theroux – Dark States

Britischer Dokumentarfilmemacher Louis Theroux begibt sich auf eine Reise in die USA, um ihre dunkle Seite zu erkunden. In der Reihe unterhält er sich unter anderem auch mit Sexarbeiterinnen, die von ihrem Alltag erzählen.

 

Love Sonia

Ein indischer Film über zwei Schwestern, von denen eine vom Vater an einen Prostitutionsring verkauft wird im Glauben er ermögliche ihr eine bessere Zukunft in der Stadt und entlaste sich selbst finanziell. Die zurückgeblieben Schwester Sonia macht sich daraufhin auf die Suche und so befinden sich beide mit einem Schlag in den Bordellen von Delhi.

 

Das Leben nach der Hölle

Ein Artikel in Die Zeit über eine rumänische Frau, die in der Schweiz zwangsprostituiert wurde und es zurück in ihre Heimat geschafft hat.

Von Helena Velaj
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