"Ohne meine Freunde hätte ich nie damit angefangen."

Irgendwann ist sie gestorben. Diese kindliche Freude am Spiel. Zwar habe ich hin und wieder nichts gegen einen Brettspielabend einzuwenden, doch diese Faszination von einem Spiel stundenlang gefesselt zu werden, besitze ich nicht mehr. Fesselnd finde ich hingegen die Begeisterung anderer und so ist es natürlich nicht an mir vorbeigegangen, als ein großer Teil meines Freundeskreises plötzlich von Magic: The Gathering in den Bann gezogen wurde. Dennoch hat es mich viel Überwindung gekostet bis ich tatsächlich mal ein wenig eingetaucht bin oder wohl eher die Zehe ins Wasser gesteckt habe. Was genau reizt die Leute so an Magic: The Gathering? Und wieso sehe ich es immer öfter? Zuhause, bei Freunden, in der Uni.

Von Helena Velaj
Am
Lesezeit 7 Min

Ein gemeinsamer Anfang

“Ich glaube das Besondere daran ist die komplexe Spielmechanik”, erklärt mir ein Freund.

Wie genau Magic: The Gathering zu spielen ist, lässt sich schwer erklären, weil es so viele verschiedene Unterformen gibt. In meinem Freundes- und Bekanntenkreis wird gedraftet.
Beim Boosterdraft werden drei Booster-Packs gekauft und in einer Runde geöffnet. Zuerst nimmt sich jeder eine Karte aus der Packung ohne sie den anderen zu zeigen und anschließend reicht er sie weiter. Wenn dieses booster pack leer ist, wird das nächste geöffnet. So lange bis alle Karten verteilt sind. Das Zusammenstellen eines individuellen Decks ist also Teil des Spiels. Es gibt aber auch Constructed-Formate bei denen man mit bereits sorgfältig gebauten Decks spielt. “Man muss viel mitdenken. Ich mag dieses strategische Denken.”, meint David.

Aber wie genau hat er überhaupt angefangen, dieser Magic-Rausch?

“Es fing alles am Anfang der Oberstufe an, als mein damaliger Sitznachbar ein paar Magic-Karten in die Schule mitnahm. Bis dahin wusste ich nichts von dem Kartenspiel, war aber eben von Anfang an von den Artworks auf den Karten fasziniert. Als er dann gemeint hat, dass es nahe der Mariahilferstraße einen Shop gibt, in dem man die Karten kaufen kann und sich auch informieren kann, hat nicht mehr viel gefehlt bis wir mal nach der Schule dorthin geschlendert sind.”, berichtet Ivan.
Martin hingegen fing später an, Draft zu spielen. “In unserer Magic-Gruppe macht man das recht häufig und vor ungefähr einem Jahr ist jemand bei so einem Draft abgesprungen und ein Freund hat gefragt, ob ich einspringen könnte. Ich habe früher schon sehr viel Yu-Gi-Oh! gespielt, was aber den Nachteil hat, dass es nur ein Format hat nämlich “Eins gegen Eins” und fertige Decks. Das hat mir immer viel Spaß gemacht und deshalb meinte dieser Freund, dass mich Magic auch interessieren könnte und so habe ich angefangen.”  

Abbildung eines Boosterdraft. Das erste Boosterpack wird nach Links weitergereicht, das Zweite
nach Rechts und das Dritte wieder nach Links.

Ein gemeinsamer Raum

Wer Magic spielt, der gehört zu einem gewissen Grad auch zur Gemeinschaft. Jede Community hat einen Treffpunkt. Für manche ist es der türkische Friseursalon, für andere die Kirche und für Magic-Spieler*innen ist es der Spielraum im 6. Bezirk. Dort können nicht nur Karten gekauft, sondern auch gespielt werden. Kürzlich erst fand ein sogenanntes Mitternachts pre-release statt, bei dem um Punkt zwölf die neuen Karten präsentiert wurden. Im Anschluss konnte man bei Turnieren teilnehmen in denen mit den neuen Karten gespielt wurde.  

Doch wie wichtig ist dieser gemeinschaftliche Raum? Die Meinungen spalten sich. Manche, wie im Fall von Ivan, messen dem Spielraum viel Bedeutung bei. Allein schon wegen des Erstkontaktes mit dem Spiel. “Er spielt eine sehr große Rolle! Immerhin war er auch sozusagen der erste wirkliche Kontakt mit der Magic-Welt. Dort angekommen wurden mir gleich mal ein paar hundert Karten geschenkt, von allen Farben etwas, damit man ungefähr ein Gefühl für das Spiel bekommt und sich circa orientieren kann, was welche Farbe im Spiel am besten kann.”  Doch wenn man seine Gruppe zum Spielen gefunden hat, wandelt sich der Spielraum vom Treffpunkt zum Kaufpunkt. Spielen tut man zuhause, die Karten erwirbt man dort.

Eine mehrfache Ausgabe

Magic ist nicht wie eine Runde UNO bei der ein Päckchen Karten reicht. Man kauft sich immer wieder neue Decks und so ergibt sich im Laufe des Spielertums auch ein stattliches Sümmchen an Kosten. “Ich habe für Karten bis jetzt ungefähr 1000 Euro ausgegeben”, sagt Ivan, der seit der Schulzeit immer mal wieder spielt. Bei Martin, der es erst seit einem Jahr intensiver spielt, sind es geschätzte 500 Euro.

Doch die Investition scheinen die Karten allemal wert zu sein, denn mit dem Kauf, quasi im Paket, kommt der soziale Faktor. “Es ist ein gutes Mittelmaß zwischen Nichtstun und Ausgehen und sich betrinken, weil man den nächsten Tag nicht verliert und andere Sachen erledigen kann, aber gleichzeitig einen netten Abend mit Freunden verbringt”, werden der Reiz des Spiels erklärt und die zunächst hoch erscheinenden Ausgaben gerechtfertigt.

Beim Magic spielen kommen Leute zusammen, wie beim Beispiel von Natalia. “Bei mir hat es angefangen, als eine Studienkollegin anfing mit ihrem Freund zu spielen und immer wieder meinte wir sollten es auch mal probieren. Ich glaube, hätten es meine Freunde nicht gespielt, dann hätte ich nie damit angefangen und es ist einfach cool, weil es mal was Anderes ist als Essen oder ins Kino gehen.”
Dennoch, das große Gemeinschaftsgefühl scheint, zumindest bei denen die draften, auszubleiben:  “Ich würde uns nicht als Teil der großen Magic-Community sehen. Wir sind vielleicht unsere eigene kleine Community.”, so David. Dadurch, dass man irgendwann seine eigene Magic-Gruppe gebildet hat, entstehen aus der großen Magic-Gemeinschaft kleine Untergruppen. “Was man von der Magic Community hält, bleibt jedem selbst überlassen. Ich glaube es ist ganz gut, dass wir möglichst viel untereinander spielen”, wird abschließend gesagt. Was damit gemeint ist, wird wohl erst klar werden, wenn man selbst einmal den Sprung ins Wasser wagt.

Von Helena Velaj
Am
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