Nur mal kurz die Welt retten...

Treffen sich ein Landschaftsarchitekt, eine Politikwissenschaftlerin, ein Bauingenieur und eine Theaterwissenschaftlerin. Worüber wird gesprochen? Beim Kick-Off zur achten Sustainability-Challenge im Wiener Palais Harrach diskutieren sie über Insektenzucht und Barrierefreiheit, über Solarpanels auf Mietshäusern und über eine ökologischere Welt.

Von Franziska Windisch
Am
Lesezeit 8 Min

Die prunkvollen Hallen des Palais Harrach sind gut gefüllt, als die Hauptfinanciers des Projekts, das Bundesministerium für Wirtschaft, Forschung und Wissenschaft (BMWFW) und die österreichische Agentur für Entwicklungshilfe (ADA), die Veranstaltung einleiten. Im Fokus stehen Stichwörter, die an diesem Abend noch öfter fallen werden, und die, da sind sich Teilnehmende aller Art, Studierende, Professor*innen und Unternehmer*innen einig, das besondere an der Sustainability-Challenge ausmachen. Es ist die Interdisziplinarität unter den Studierenden, die von den vier größten Universitäten Wiens, der BOKU, der Universität Wien, der WU und der TU Wien kommen, und ihre unterschiedlichen Blickwinkel auf Nachhaltigkeit, die sie mitbringen. Es ist aber auch die Möglichkeit diese Ideen, seien sie schon in Projekten konkretisiert oder noch  theoretisch-wissenschaftlich, in die Praxis zu bringen – in die Unternehmen, zu den Bürger*innen.

„Managing a problem and making a business out of it“

Die diesjährige Sustainability Challenge steht unter dem Motto der „Sustainable Development Goals“ (SDGs), der Ziele für nachhaltige Entwicklung, die, von der UNO entwickelt, am 1. Jänner 2016 in Kraft getreten sind.

Matteo Landi, verantwortlich für Jugendbeschäftigung bei der UNIDO, der UN-Organisation für Industrielle Entwicklung, betonte in seiner Eröffnungsrede insbesondere das siebzehnte Ziel – die partnerschaftliche Zusammenarbeit. Gleichzeitig wies er auf Erfolge hin, die sein Arbeitgeber bereits erreichen konnte. Dieses positive Narrativ zog sich durch die ganze Veranstaltung – nicht meckern, anpacken – so lautete das Motto. Im Podiumsgespräch mit den Lehrveranstaltungsleiter*innen schrillten dann aber erstmals die Alarmglocken. Helga Kromp-Kolb vom Institut für Meteorologie der BOKU bemerkte in der Diskussion um das achte Ziel für nachhaltige Entwicklung, das zum Wirtschaftswachstum: „Die Frage, ob Wachstum sinnvoll ist oder nicht, stellt sich nicht. In der Naturwissenschaft gibt es Grenzen. Die Grenzen dieses Planeten sind teilweise erreicht.“ Nun ginge es darum, Handlungsschritte zu setzen. Christian Rammel, der am Institut für „Ecological Economics“ an der Wirtschaftsuniversität Wien lehrt, streicht den besonderen Zugang seines Fachbereichs heraus. Jede/r dritte österreichische Manager*in studiere an der Wiener Wirtschaftsuni. Es sei gerade deshalb wichtig den Studierenden im Rahmen von Lehrveranstaltungen zu zeigen wie man die Abstraktheit des Nachhaltigkeitsdiskurses in wirtschaftliche Aktivitäten übersetzen kann.

Auch Petra Hirschler vom Fachbereich für Raumplanung der TU Wien betonte die Bedeutung der Interdisziplinarität und sprach darüber, wie man eine Stadt ökologisch planen kann. Die größten Stolpersteine, vor denen man in jedem Planungsprozess stünde, seien die unterschiedlichen Interessen, die verschiedenen Eigentümer*innen. Hier hakt Alice Vadrot, die am Institut für Politikwissenschaft der Universität Wien forscht, ein. Eine Erfahrung, die sie im langjährigen Engagement mit den Studierenden gemacht hat: Am Ende der Sustainability Challenge kommen viele der Studierenden mit der gesammelten Erfahrung darüber, wie man Projekte in die Tat umsetzt, zu ihr, und fragen dann, wieso denn nicht viel mehr passieren würde. Hier setze sie an, meint die Politikwissenschaftlerin mit Ökologie-Schwerpunkt. Sie helfe den Student*innen dabei, die unterschiedlichen Interessen fassbar zu machen, aber auch aufzuzeigen, wie man dennoch aktiv werden könne.

In medias res

Gegen Ende des offiziellen Teils kamen schließlich alle Projektpartner*innen auf die Bühne und stellten ihre Ideen vor, die vielfältiger nicht sein könnten. Die Vorschläge reichten von der Begrünung der Neulerchenfelder Straße, über die Forschung zur Vielfalt der Mitarbeiter*innen in der SPAR AG, über eine Strategie für den ÖBB-Bahnhof als Ort für Pendler. Die Studierenden fanden sich schon im Vorhinein zu Projektgruppen zusammen und konnten im Anschluss mit den Stellvertretern der Unternehmen das erste Mal ins Gespräch kommen. Nach den ersten skeptischen Annäherungsversuchen auf beiden Seiten wurde hier schon fleißig an Projekten gebastelt.

Im Nebenraum ging es noch beschwingter zu. Hier stellten die Start-up-Gruppen ihre ökologischen Geschäftsideen vor. Ein Blumenkisterl zum Selbst-Zusammenstellen, die Aufbereitung von Insekten als Nahrungsmittel – einige Ideen waren schon sehr ausgereift. Doch es gab auch Studierende, die mit mehreren Vorschlägen in die Kick-Off-Veranstaltung kamen. Welche dann wirklich Potential haben, soll im Zuge des Start-up-Camps ermittelt werden. Dort kommen die Studierenden zusammen, um neben dem Erlernen betriebswirtschaftlicher und unternehmerischer Basics, auch ihre eigenen Ideen weiter zu konkretisieren. Wichtig sei, dass die Studierenden Projekte entwickeln, die auch wirtschaftlich funktionieren und mit denen man auch Geld verdienen darf. Das den Wirtschaftsstudierenden klar zu machen, sei nicht allzu schwer, meint Michael Ambros, der an der BOKU schon länger junge Menschen und ihre Start-up-Ideen betreut, bei BOKU-Studierent*innen müsse man da schon mehr Überzeugungsarbeit leisten.

Von Franziska Windisch
Am
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