Let’s Taxi ‘bout it

Ein Konflikt, der seit einigen Jahren kein Ende findet: Taxi versus Uber. David*, Uber-Fahrer in Wien freut sich, endlich einen Job gefunden zu haben. Mirsad* hingegen ist seit zwanzig Jahren Taxifahrer und hat, seitdem der Uber-Fuhrpark durch die Straßen von Wien düst, um die Hälfte weniger Aufträge. Wir haben uns beide Seiten angesehen. (Teaserbild-Credit: Aaron Parecki via Wikipedia)

Von Natalia Anders
Am
Lesezeit 6 Min

“Ich bin Studentin und will nun mal nicht statt fünf Euro für eine Fahrt fünfzehn Euro ausgeben. Außerdem habe ich so selten Bargeld mit, da ist es schon praktisch, dass Uber das Geld dann einfach von der Kreditkarte meiner Eltern abzieht”, so Lisa*, eine meiner Studienkolleginnen, auf die Frage, warum sie sich nach dem Fortgehen ein Uber nach Hause bestellt. Lisas Meinung sind viele, fast alle meine Freund*innen ubern mittlerweile anstatt mit dem Taxi zu fahren. Das stört nicht nur Lisas* Eltern, die es mittlerweile bereut haben, Lisa ihre Kreditkartendaten gegeben zu haben, sondern vor allem Taxi 40100 und andere Taxiunternehmen. 

 

Das 2009 in San Francisco gegründete Dienstleistungsunternehmen Uber gibt es seit 2014 in Wien. Pro Fahrt bekommen die Chauffeur*innen zwanzig bis dreißig Prozent des Fahrtpreises, am Monatsende erhalten die meisten jedoch nicht viel mehr als den 2018 eingeführten Mindestlohn von 1200 Euro. Bevor David* bei Uber war, war er lange Zeit arbeitslos. “Wenn Uber in Österreich verboten wird, werde ich sicher wieder arbeitslos werden und das möchte ich nicht noch einmal durchmachen müssen.”

 

Als ich den Taxler Mirsad* auf Uber anspreche, reagiert er ähnlich verärgert wie David*, als ich ihn gefragt habe, was er von Taxis hält. Er findet es unfair, dass für Uber, das offiziell kein Taxiunternehmen, sondern ein Mietwagenunternehmen ist, andere Regelungen gelten und Uber dadurch auch flexibler bei der Preisgebung sein kann. Immerhin verdient diese Firma mehr Geld als die meisten Taxiunternehmen. Auch er war bei dem Taxistreik, der im September 2018 stattgefunden hat, dabei und hat auf der Ringstraße in Wien mitgehupt, um ein Zeichen gegen Uber zu setzen. “Dabei zu sein, war mir sehr wichtig. Die Taxis, die bei dem Streik nicht mitgemacht haben, hätte ich am liebsten mit Eiern beworfen.” Uber wurde nach dem Streik zwei Tage lang in Wien gesperrt, an diesen beiden Tagen hatte Mirsad* viel mehr Aufträge als normalerweise. Nach einer einstweiligen Verfügung musste Uber eine Strafe von 320.000 Euro zahlen und einen neuen Verhaltenskodex und Community-Richtlinien einführen. Dies führte auch dazu, dass die Mindestpreise für Uber-Fahrten innerhalb Wiens stiegen.

 

“Was ich besonders an Uber schätze, ist dass ich im Vorhinein weiß, wie viel ich für die Fahrt zahlen muss und mich im Vorhinein darauf einstellen kann, nicht so wie früher mit dem Taxi, als der Fahrer gemeint hat, eine Fahrt heim kostet zwanzig Euro und im Endeffekt hat sie 25 Euro gekostet. Diese Taxifahrer-Tricks, zum Beispiel einfach Umwege zu fahren, waren für mich irgendwann einmal too much. Außerdem weißt du bei Uber immer wer dein*e Fahrer*in war und kannst ihn/sie im Zweifelsfall melden”, meint Lisa.

 

Lisa war sechzehn, als sie im Taxi am Heimweg von ihrem Fahrer sexuell belästigt wurde, weil sie nicht genug Geld dabei hatte. Als sie den Vorfall bei der Polizei melden wollte, wurde ihr gesagt, dass sie ohne Autokennzeichen des Wagens nichts machen könnten. Seit diesem Vorfall ist sie nie wieder alleine mit dem Taxi gefahren, bis Uber kam, hier fühlt sie sich sicherer, weil sie immer weiß, mit wem sie fährt. Vielleicht sind es auch Ereignisse wie diese, die Leuten wie Lisa Taxifahren vergrault haben. 

 

Der Rechtsstreit zwischen Taxi und Uber geht weiter. Und das nicht nur in Wien. Immer wieder hört man in den Medien, wie sich Taxifahrer*innen mit Uberfahrer*innen streiten, wie diese Streitereien eskalieren, mit Eierwerfen, Aufstechen der Autoreifen, in Paris und Lyon gab es körperliche Angriffe auf Uberfahrer*innen. In vielen Städten, vor allem in Europa, hat das Unternehmen rechtliche Probleme. In Österreich ist die Lage der Firma mehr als umstritten, immer wieder muss Uber Strafen zahlen, an den Staat oder an Taxiunternehmen. Immer wieder wird gemunkelt, dass das Unternehmen verboten werden soll. Durch die neu bestimmte Regelung im Parlament wird Uber in Österreich in der Form wie wir sie jetzt kennen wahrscheinlich bald nicht mehr existieren. Die Preise für Uberfahrten sollen vorgeschrieben und nicht mehr vom Unternehmen selbst beschlossen werden. Das könnte zum Ende von Uber Österreich führen.

 

*die Namen der Befragten wurden von der Redaktion auf Wunsch von Anonymität geändert

Von Natalia Anders
Am
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