Leben am Bauernhof

Am späten Vormittag hat man es eilig. Die Kühe, die bereits hinten auf der Weide grasen, müssen schleunigst aufs andere Feld gebracht werden. Als der Transporter vorfährt, drängen die Kühe und Kälber in seine Richtung. Rund um den Schlafplatz ist schon alles kahl gefressen. Der Bauer öffnet beide Weidetore und die Tiere wechseln routiniert die Feldwegseite. Dort gibt es untertags saftigeres Gras, das sie brauchen, um sich gut zu entwickeln. Dass das Vieh gesund und wohlgenährt sind, steht hier nämlich ganz oben auf der Liste. Immerhin werden die Tiere, nachdem sie acht Monate lang gehegt und gepflegt wurden, schon weiterverkauft. Während sich die Kälber bereits auf der gegenüberliegenden Weide verteilen, trottet der alte Stier gerade erst in Richtung Weidetor. Seine einzige Aufgabe ist es, für Nachwuchs zu sorgen. Dass er damit ausgelastet ist, sieht man dem abgekämpften alten Herren durchaus an. (Teaser Foto Credit: Julia Unger)

Von Franziska Windisch, Helena Velaj
Am
Lesezeit 4 Min

Neben den Kühen haben vor allem die Hühner in den letzten Jahren einen größeren Platz am Hof eingenommen. Insgesamt gibt es circa 200 Mast- und 300 Legehühner. Eier und Fleisch werden ab Hof und in kleineren Supermärkten verkauft. Außerdem gibt es - ein paar Kilometer weiter - einen Ei-Automaten, der regelmäßig befüllt wird. Die Direktvermarktung ist ein neues Projekt. Um sie kümmert sich vor allem der Sohn der Familie, der seit ein paar Jahren hauptberuflich im Betrieb arbeitet und somit einen großen Teil der jüngsten Entwicklungen mitverantwortet. Dass landwirtschaftliche Betriebe über Generationen hinweg fortbestehen, ja sogar ausgebaut werden, das war früher selbstverständlich, ist es aber heute schon lange nicht mehr. Im Zeichen der Zeit müssen immer wieder neue Strategien entwickelt werden, um wirtschaftlich zu arbeiten und dem Markt gerecht zu werden. So war der Bauernhof der Familie Unger anfangs der Milchproduktion verschrieben, doch stellte um die Jahrtausendwende auf Masttierhaltung um. Seit 2004 ist der Bauernhof ein Biobetrieb. Als der landwirtschaftliche Fördertopf für ebendiese Mutterkühe eingestellt wurde, musste man wieder umdisponieren und die Ferkelproduktion wurde professionalisiert. Bei den Aufgaben rund um die Hühner sind nun alle Familienmitglieder gefragt, denn die Direktvermarktung fordert neben landwirtschaftlicher Kompetenz vor allem auch ein Händchen für den Verkauf. Die Töchter der Familie kümmern sich deshalb auch um die Verschönerung von Etiketten, die Begrünung der Verkaufsflächen im Innenhof, die Homepagebetreuung und den Instagram-Account.

Ganz unterschiedliche Tiere tummeln sich also mittlerweile am Bauernhof Unger. Viele von ihnen sind gerade - es sind die letzten warmen Herbsttage - draußen auf der Weide. Auch der mobile Hühnerstall hat hier seinen Platz gefunden. Nachdem die Kühe versorgt wurden, werden Eier gesammelt. Es sei ein 24-Stunden-Job, meinen alle Beteiligten. Ein Wochenende kenne man nicht, auch einen Urlaub zu gestalten, einfach mal wegzufahren, sei schwierig. Man sei mehr oder weniger unersetzlich. Das Leben dreht sich nun mal um die Landwirtschaft und - im Fall der Familie Unger - vor allem um die Tiere, für die man die Verantwortung übernimmt. Umso wichtiger ist es, dass der familiäre Zusammenhalt bestehen bleibt und man sich in bäuerlichen Organisationen vernetzt. Während man allerorts froh ist, im Supermarkt qualitativ hochwertige Lebensmittel vorzufinden und auch der Faktor Regionalität eine immer bedeutendere Rolle spielt, ist das Wissen um die landwirtschaftliche Arbeitsweise, die ständige Veränderung und die Verantwortung, die diese mit sich bringt, eher gering. Deshalb finden immer öfter auch Aktionen mit der örtlichen Volksschule statt. Die Bäuerinnen versuchen hier, etwas über die Lebensmittel zu erzählen, die sie herstellen und ein Bewusstsein für die Produkte zu vermitteln. Diese Schiene, also die Arbeit mit Kindern direkt am Bauernhof, wolle man irgendwann auch gerne ausbauen. Aber bis dorthin ist man auch auf sonstigem Wege gut beschäftigt. Die Tiere müssen gefüttert, die Äcker bestellt und die Eier verkauft werden. Es wird nie langweilig.

Von Franziska Windisch, Helena Velaj
Am
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