Konsum auf Raten

Der schnelle Klick-Kredit. Mit diesem Slogan wirbt die österreichische Erste Bank für Konsumkredite. Das immer beliebtere Finanzprodukt wird gerade um die Weihnachtszeit verstärkt angepriesen und auch dankend angenommen. Die Freude ist allerdings nicht immer von langer Dauer.

Von Franziska Windisch
Am
Lesezeit 8 Min

Der Handel erlebt in den letzten Jahren einige große Veränderungen. Zwar schiebt man sich an den Samstagen vor den Feiertagen immer noch durch dichtgedrängte Einkaufsstraßen, geshoppt wird allerdings vor allem online. Auch die Dauer des Kaufrausches hat sich verschoben. Weihnachtseinkäufe starten seit ein paar Jahren schon wesentlich früher. Dann wenn die Aktionen zum “Black Friday” oder zum “Cyber Monday” das erste Mal die Kassen klingeln lassen. Doch nicht nur mit saftigen Rabatten werden Kund*innen gelockt, immer häufiger wird auch mit Ratenzahlungen geworben. Kostspielige Produkte aus dem Technikbereich, Smartphones und Laptops, die die Grenze des Vierstelligen bravourös überschreiten, sind für viele eigentlich nicht leistbar. Und so bietet die Finanzierung auf Raten mittels Konsumkredit Abhilfe. Diese dienen der Finanzierung von Konsumgütern oder Dienstleistungen, betreffen vergleichsweise geringe Beträge und sind auf bestimmte Ausgaben zugeschnitten. Die Finanzspritze bekommt man nicht nur über Handelsriesen, sie wird von allen namhaften Banken angeboten. Oft auch in Form von Apps, in denen eine besonders zügige Abwicklung garantiert wird. Der schnelle Klick-Kredit also.

Wünsch dir was!

Ob die Einrichtung, den Autokauf, Umbauten und Sanierungen, eine Reise oder “Freizeit-Action”, wie es auf der Homepage der Erste Bank heißt, der Konsumkredit ermöglicht es “Wunschträume zu finanzieren”. Neben einem Ausweis benötigt man einen positiven Einkommensnachweis der letzten drei Monate. Bis zu 50.000 Euro werden versprochen. An Bankwerktagen soll das innerhalb von 24 Stunden passieren. Die Banken wollen das Feld nicht den Händlern überlassen. Die Nachfrage nach Konsumkrediten, die in anderen Ländern, den USA oder Großbritannien, schon länger gängige Praxis sind, steigt auch in Österreich drastisch an. Im Vorjahr verzeichnet die FMA, die Finanzmarktaufsicht, ein nationales Plus von 10,7 Prozent. Damit weist der Konsumkredit die stärkste Dynamik aller Kreditformen auf. Neben klassischen Kreditschulden für Eigentum, die noch immer den größten Anteil ausmachen, und Kreditkartenschulden, die in verschiedensten Berechnungen ebenfalls zur Untergruppe der Konsumkredite gezählt werden. Letztere erfüllen einen ähnlichen Zweck wie klassische Konsumkredite. Wer sein Konto überzieht, finanziert sich dadurch vor allem Produkte des täglichen Bedarfs. Wer dabei auf welchen Schulden sitzt, hängt von der individuellen Lebenssituation ab. So weisen Mehrpersonenhaushalte mit Kindern vor allem Kreditschulden für Eigentum auf, während Kontoüberziehungen vor allem in Ein-Elternhaushalten vorkommen. Wer ein hohes Einkommen hat, der verfügt in der Regel öfter über einen Kredit. Unter anderem auch weil ein solcher bei mehr Geld auf dem Konto häufiger genehmigt wird. Lediglich bei Kontoüberziehungen weisen Personen mit niedrigerem Einkommen eine deutliche Vorreiterrolle auf. Wer genügend Geld zur Verfügung hat, der muss sein Konto nicht für den Einkauf von Weihnachtsgeschenken ins Minus laufen lassen.

Konsumkredit als Einstiegsdroge

Aus Erhebungen geht also hervor, dass vor allem auch Menschen mit vergleichsweise niedrigen Einkommen Interessent*innen für Konsumkredite sind. Weil sie die Produkte des täglichen Bedarfs nicht mehr stemmen können oder weil ein Lebensstil erhalten werden muss, den man sich eigentlich nicht leisten kann. In jedem Fall scheint eine Zahlung auf Raten, ein Vorschuss, den man über Jahre hinweg abstottert, dann oftmals der einzig finanzierbare Lösungsweg. Für Banken sind Kredite der Bereich im Privatkundengeschäft, mit dem man noch halbwegs Geld machen kann. Hinzu kommt, dass eine steigende Konjunktur ganz allgemein die Bereitschaft zu konsumieren in die Höhe treibt. Was aber passiert, wenn nach dem Aufschwung wieder ein Abschwung kommt, wenn man den Job verliert und die Kreditzahlungen - seien sie auch noch so gering - plötzlich zur Bedrohung werden? Gerade auch weil der Abschluss eines Konsumkredites oft sehr schnell geht und es sich um vergleichsweise geringe Beträge handelt, warnen Schuldnerberatungen massiv vor den boomenden Finanzprodukten. Sie seien eine Einstiegsdroge, die oftmals den Anstoß bildet, um sich noch massiver zu verschulden. Denn bei einem Kredit bleibt es  selten. Das liegt - der Schuldnerberatung zufolge - vor allem in der aktuellen Arbeitsmarktsituation und in steigenden Fixkosten begründet. Bei sinkenden Gehältern und erhöhten Mieten stoßen insbesondere Alleinverdiener*innen an ihre Grenzen. Fragt man nach Problemen, die das Fass zum Überlaufen bringen, so steht der Jobverlust an oberster Stelle. Auch die Finanzmarktaufsicht legt ihre Prüfungsschwerpunkte in nächster Zeit verstärkt auf Online- und Ratenkredite, die nicht besichert sind.

Zwischen Förderung, Verbot und Kontrolle

Während Konsumkredite in Mitteleuropa ein vergleichsweise junger Trend sind, gehören sie in den USA und in Großbritannien schon länger zum gängigen Finanzmix. Neben Kreditkartenschulden sind in den Vereinigten Staaten Konsumkredite allgegenwärtig. Hinzu kommen Studentendarlehen und Immobilienkredite. Zusammengefasst in hochspekulativen Finanzprodukten, die staatlich gefördert wurden, bildeten sie die Basis für die große Finanzkrise, die 2008 begonnen hat. Auch in China versucht die Staatsspitze die Verbreitung von Konsumkrediten massiv voranzutreiben. Lange Zeit hat das Land seinen Fokus vor allem auf die Exportgeschäfte gelegt, doch um die Inlandsnachfrage anzukurbeln wird nun auch auf die eigenen Bewohner*innen gesetzt. Bekannt für hohe Verschuldungsquoten ist auch die Türkei. Eine aktuelle Studie zeigt, dass verstärkt auch Arbeiter*innen zu Konsumkrediten tendieren. Zurückzuführen ist das unter anderem auf die einfache Verfügbarkeit und die Angebote, die auf Niedrigverdiener*innen zugeschnitten sind. Neue Konsumgewohnheiten, die in aufstrebenden Ökonomien zur Notwendigkeit werden und Verschlechterungen am Arbeitsmarkt bilden eine weitere Basis. Was tun gegen den fragwürdigen Boom? Schuldnerberatungen drängen auf den Verbot von Konsumkrediten. Eine bessere Überwachung der aufstrebenden Tätigkeitsfelder ist eine abgeschwächte Forderung, die immer wieder aufkommt. Ein anderes generelles Problem wird in diesem Zusammenhang drängender. Untersuchungen zeigen, dass Konsumkredite verstärkt von Personen aufgenommen werden, die über wenig Wissen zu Finanzprodukten verfügen. Eine geringe “financial literacy”, wie dieser Umstand im Fachjargon genannt wird, führe dazu, dass man Probleme habe, Kreditverträge zu verstehen und somit tatsächliche Gefahren abschätzen zu können. Gerade Kredite, die mit hohen Kosten verbunden sind und die wenig Mehrwert schaffen, werden dadurch oft von Menschen getragen, die über diesen Umstand gar nicht Bescheid wissen. Ein Risiko, das sich, verschlechtert sich einmal die individuelle finanzielle Situation - oder noch schlimmer, die gesamtwirtschaftliche, einen Dominoeffekt zur Folge haben kann.

Von Franziska Windisch
Am
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