Instagram is the new Black - oder?

Von einem Extrem ins andere. Während ihr in meinem letzten Artikel mehr über Minimalist*innen, deren Ziel es ist, mit so wenig wie möglich auszukommen, erfahren habt, geht es heute um Influencer*innen, die unter Anderem davon leben, Produkte von diversen Marken zugeschickt zu bekommen und sie für Geld anzupreisen. Die Auswahl basiert auf meinen subjektiven Eindrücken als Instagram Userin.

Von Natalia Anders
Am
Lesezeit 5 Min

Sie führen das Leben, das sich viele schon immer gewünscht haben. Während der/die Durchschnittsbürger*in Jahre auf eine Gucci Tasche spart, bekommen Influencer*innen sie von der Marke selbst geschenkt - obwohl sie ja bereits zwanzig Gucci-Taschen haben. Woher ich von ihren zwanzig Taschen und dreißig Rucksäcken weiß? Von den Closet-Tour-Videos auf Youtube oder den vielen Instagram-Stories, in denen davon ausführlich berichtet wird. Neben den zugeschickten Sachen gibt es ja auch noch gesponserte Reisen in fünf-Sterne-Hotels, an Orte, die seit Jahren auf zumindest meiner Bucketlist stehen. Neben den Reisen und Gucci-Taschen sind sie auch auf allen Fashion Weeks anzutreffen, sie sitzen in der ersten Reihe, neben Prominenten wie Anna Wintour oder Kim Kardashian. Scrollt man ihren Instagram-Feed durch, wird einem sofort klar, wie perfekt ihr Leben sein muss… Oder etwa nicht?

2015 veröffentlichte die ehemalige Influencerin Essena O’Neill ihr letztes Youtube-Video, in dem sie damals als eine der ersten Influencer*innen über die Schattenseiten des perfekten Lebens auf Social Media erzählte, wie das Leben Online ihre psychische Gesundheit beeinflusste und wie belastend es für sie war, 24/7 ein perfektes Leben auf Instagram und Youtube vorzutäuschen. Dieses Video ging damals viral, weil es Internet-User*innen zeigte, dass das glamouröse Leben es vielleicht nicht doch wert ist.

Neben der psychischen Belastung immer verfügbar zu sein, gut auszusehen und alles mit seiner Community zu teilen, kritisieren viele das Blogger*innen-Leben als nicht nachhaltig und zu konsumlastig. Bedenkt man, wie viel der/die durchschnittliche Top-Influencer*in im Jahr fliegt, ist die CO2-Bilanz  erschreckend hoch. Dasselbe gilt für die vielen zugeschickten Produkte. Dass das Leben als Modeblogger*in also alles andere als nachhaltig und minimalistisch sei, lässt sich leicht erahnen. Schließlich ist es ihre Aufgabe, uns Kund*innen davon zu überzeugen, die von ihnen angeworbenen Produkte oder Reisen zu kaufen.

Mit dem wachsenden ökologischen Bewusstsein, das vor allem die letzten zwei Jahre einen immer größeren Stellenwert bekam, entstand auch ein neues Instagram-Genre. Das der Sustainable-Infuencer*innen, die für ein gesünderes und nachhaltigeres Leben stehen wollen. Anstatt für die neueste Zara-Kollektion zu werben, zeigen sie uns in ihren täglichen Instagram-Storys ihre Second-Hand-Funde oder Schuhe aus veganem Leder. Sie erzählen von Yoga-Kursen und veganen Restaurants, die wir unbedingt besuchen müssen und posten Videos, in denen sie in nachhaltiger Unterwäsche mit ihren adoptierten Hunden tanzen und währenddessen Matcha Latte schlürfen. Gleichzeitig kritisieren sie Andersdenkende in ihren öffentlichen hundert-Story-langen Rants und rufen ihre Follower*innen öffentlich zu Boykotts diverser Veranstaltungen und Marken, die nicht in ihre Bubble passen, auf. Sind sustainable Influencer*innen die neuen, authentischen, perfekten Vorbilder oder ist da auch alles fake?

Man kann weder davon ausgehen, dass jede*r Influencer*in alles vortäuscht und eigentlich unglücklich ist, noch sagen, dass Nachhaltigkeitsblogger*innen alles perfekt machen. Schließlich kennen wir Follower*innen ihr Leben nur auf Social Media, nicht ihr Privatleben hinter den Kulissen von Instagram. Trotz der vielen Makel dieser Plattform ist Instagram dennoch die derzeit größte Seite, die es User*innen ermöglicht, ihre Interessen, Hobbies und Meinungen mit der Welt zu teilen und verleiht somit jeder/m eine eigene Stimme.

Von Natalia Anders
Am
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