Elternwerden schwer gemacht

Nichts soll so erfüllend und verändernd sein wie die Elternschaft, heißt es. Tatsächlich aber haben in Deutschland fast sechs Millionen Paare ein Problem dabei, Kinder zu bekommen. In Österreich sind Schätzungen zufolge zwischen 10 und 15 Prozent der Paare ungewollt kinderlos. Was für Optionen bleiben?

Von Helena Velaj
Am
Lesezeit 6 Min

Kinder zu bekommen ist in jedem Fall kein kostengünstiges Unterfangen. Selbst bei einer problemlosen Elternschaft häufen sich finanzielle Kosten durch Kinder. In Deutschland ermittelte man zusätzliche monatliche Kosten von durchschnittlich 584 Euro pro Kind. Das sind bis zum 18. Lebensjahr ungefähr 130.000 Euro. In Österreich ergab sich ein ähnlicher Wert von 108.000 Euro. Zwar fallen die Kosten je mehr Kinder man hat, doch für Paare, die keine Kinder bekommen können, gibt es schon vor dem ersten Kind hohe Kosten. Das Nachhelfen beim Kinderkriegen stellt sich als kompliziert und teuer heraus. Als Anlaufstelle für alle Familienfragen gibt es in Wien die MA11.

Künstliche Befruchtung

Viele Paare versuchen sich mittels künstlicher Befruchtung den Kinderwunsch zu erfüllen.
Bis 2015 war diese Art der Fortpflanzung nur innerhalb der Ehe oder einer eheähnlichen Gemeinschaft möglich, doch seit Änderung des Fortpflanzungsmedizingesetzes ist sie nun auch Homosexuellen erlaubt.

Bei der künstlichen Befruchtung kann man innerhalb oder außerhalb des Körpers befruchten. Wenn man innerhalb des Körpers befruchtet, werden Spermien direkt in die Gebärmutter, den Gebärmutterhals oder in den Eileiter gespritzt und so der Weg des Spermiums zur Eizelle verkürzt. Die Kosten für diese Behandlung belaufen sich, je nachdem ob der Zyklus hormonell stimuliert werden muss, auf zwischen 200 Euro und 1000 Euro. Bei der Befruchtung außerhalb des Körpers, also der In-Vitro Befruchtung,befruchtet das Spermium die Eizelle in einem Reagenzglas und wird anschließend wieder in die Gebärmutter übertragen. Diese Methode kostet ungefähr 3000 Euro pro Versuch. In Ländern wie Großbritannien und den USA wird eine künstliche Befruchtung oftmals auch mit einer Leihmutterschaft kombiniert, bei der eine Frau, die nicht Teil des Paares ist, ihre Gebärmutter zur Verfügung stellt und das Kind austrägt. Mit der Leihmutterschaft tritt sie alle mütterlichen Rechte an das Auftrageberpaar ab. In Österreich und Deutschland ist eine Leihmutterschaft verboten. In Ländern, in denen sie erlaubt ist, entstand ein regelrechtes Geschäftsmodell daraus, bei dem Leihmütter zwischen 10.000 und 20.000 Euro erhalten.

Adoption

Der Adoptionsmarkt ist hart umkämpft, denn auf ein Kind kommen angeblich rund 10 Bewerber*innen zu. Die erste Frage, die sich bei einer Adoption stellt, ist diejenige, ob im Inland oder Ausland adoptiert wird. Im Jahr 2016 wurden 104 Minderjährige im Inland zur Adoption vermittelt und 47 Minderjährige aus dem Ausland. Für Adoptionen im Inland gibt es eine rund dreijährige Wartezeit, weil der Andrang so groß ist. Es gibt drei gängige Formen der Adoption in Österreich. Bei der Inkognitoadoption erfahren die leiblichen Eltern des Kindes Eckdaten über die zukünftigen Eltern und es wird versucht auf ihre Wünsche einzugehen, um ihnen die Entscheidung zu erleichtern. Dafür verzichten die leiblichen Eltern auf die Kontaktdaten des Kindes. Diese Form der Adoption ist die häufigste und macht ungefähr zwei Drittel aus, das restliche Drittel formt die offene Adoption. Bei einer offenen Adoption lernen sich leibliche Eltern und Adoptiveltern kennen und die leiblichen Eltern können das Aufwachsen des Kindes ein wenig begleiten, also bleiben sie ein Bestandteil seines Lebens.
Eine dritte Form der Adoption ist die halb-offene bei der sich die leiblichen Eltern bei der Adoptionsbehörde über die Kontaktdaten der Adoptiveltern informieren und diese treffen können. Das Mindestalter für eine Adoption liegt bei 25 Jahren und rechtskräftig gültig wird sie erst, wenn das Kind ein halbes Jahr bei den Adoptiveltern gelebt hat.
Noch schwieriger als Adoptionen aus dem Inland gestalten sich Adoptionen aus dem Ausland. Durch eine Reihe von Regelungen wird versucht den internationalen Kinderhandel einzudämmen. Bei einer Auslandsadoption müssen zuerst Behördengänge getätigt werden und ein Dossier mit der Vorstellung des Paares an das Wunschland geschickt werden. Bis der Vorschlag eines Kindes kommt kann einige Zeit vergehen, denn jedes Land handhabt Adoptionen unterschiedlich. Sobald ein Vorschlag kommt und das Elternpaar ein Ja zum Kind gibt muss in das Land gereist werden und ein Kennenlernen mit dem Kind organisiert werden. Gibt es ein zweites Ja zum Kind müssen die Schritte in Bezug auf die Heimreise getroffen werden und in Österreich alle wichtigen Dokumente beantragt werden. Zwar unterstützen die Behörden und Organisationen wie EFKÖ dabei, doch aktuell ist die einzige vollbegleitete Adoption nur in Südafrika möglich.

Pflegekind

Neben Adoption und künstlicher Befruchtung gibt es die Möglichkeit ein Pflegekind bei sich aufzunehmen. Ein Pflegekind wird für einen bestimmten Zeitraum bei einer anderen Familie untergebracht, da es aus schwierigen sozialen Verhältnissen kommt. Bei familiären Notfällen kann das, bis sich die Situation wieder normalisiert hat, oft ein nur sehr kurzer Zeitraum sein. Es gibt aber auch Situationen, in denen das Kind bis zur Volljährigkeit bei den Pflegeeltern bleibt. Das Ziel von Pflegeeltern ist es, das Kind für eine Zeit sicher unterzubringen bis es wieder zu seinen leiblichen Eltern zurück kann. Deswegen müssen Pflegeeltern immer darauf gefasst sei, das Kind wieder abgeben zu müssen. Sollte die Rückführung in die ursprüngliche Familie nicht möglich sein oder ein gutes Verhältnis zwischen den Pflegeeltern und dem Kind entstanden sein, so kann, im Einverständnis mit dem Kind, auch das Sorgerecht angestrebt oder adoptiert werden. Damit man zu einer Pflegemutter/ einem Pflegevater wird, muss man die Pflegeelternausbildung absolvieren. Diese wird von Land zu Land unterschiedlich gehandhabt.

Von Helena Velaj
Am
Lesezeit 6 Min

Follow

X

Zum Newsletter anmelden

* indicates required

Please select all the ways you would like to hear from GRAD:

You can unsubscribe at any time by clicking the link in the footer of our emails. For information about our privacy practices, please visit our website.

We use Mailchimp as our marketing platform. By clicking below to subscribe, you acknowledge that your information will be transferred to Mailchimp for processing. Learn more about Mailchimp's privacy practices here.