Ein Kampf gegen Smog

China ist weltweit der größte Produzent von CO2-Emissionen und das nicht nur zum Leidwesen der Umwelt, sondern auch der eigenen Bevölkerung, denn vor allem große Städte wie Peking versinken im Smog.

Von Helena Velaj
Am
Lesezeit 9 Min

Es ist das Jahr 2014, 2015, 2016...

Der Smog liegt dicht über der chinesischen Hauptstadt Peking. Der Anblick ist zur Gewohnheit geworden. Seit Jahren kämpft man in Chinas Städten mit dem Smog, der vor allem im Winter dick in der Luft hängt.

Die Wurzel des Übels ist die Abhängigkeit von Kohle zur Energiegewinnung. Diese hat in China zu diversen Umweltproblemen wie saurem Regen, aber auch erhöhter CO2-Belastung und daraus resultierendem Smog geführt. Das Land ist für ein Viertel der globalen Emissionen verantwortlich. Doch nicht nur gesundheitliche Probleme drohen China, sollte es sich energietechnisch nicht neu ausrichten. Das Land wird zunehmend abhängiger von Energieimporten wie Öl, Gas und sogar die eigene Kohleproduktion reicht nicht mehr aus. Das hat potentiellen geopolitischen Folgen. Grund genug für einen neuen Kurs.

Luft zum Atmen

Kohle hatte im Jahr 2016 einen Anteil von 62 Prozent am chinesischen Energiemix und ist somit nach wie vor die größte Energiequelle des Landes. Obwohl in den letzten Jahren der Einsatz von Kohle als Hauptenergiequelle stetig abnahm, ist die Abhängigkeit des Landes nach wie vor groß. Lange Zeit wurde wenig an der Problematik gearbeitet, doch seitdem größere Städte vor allem im Winter gehäuft wegen des Smogs Alarmstufe rot ausrufen müssen, hat auch die Regierung in Peking eingesehen, dass sich etwas ändern muss.

Die gesundheitsschädlichen Folgen von Smog können verheerend sein. Anfang des Jahres 2017 stieg die Feinstaubbelastung in Peking auf das 24-fache des, von der WHO als unbedenklich eingestuften, Höchstwertes. Dieser Zustand hielt mehrere Tage an. Die Bevölkerung wurde dazu aufgerufen, zuhause zu bleiben, Schulen und Kindergärten wurden geschlossen. Bei erhöhten Smogwerten sind Menschen mit Atemwegserkrankungen zuerst betroffen, da sich die Partikel in der Lunge ablagern. Daraufhin wird vom Immunsystem versucht, diese wieder aus dem Körper herauszubringen.  Die Folge sind Reizhusten und verstärkte Lungenprobleme. Doch bei derartig hohen Belastungswerten sind alle betroffen. Die Auswirkungen reichen von leichter Übelkeit, über Kopfschmerzen, bis hin zu Herz-Kreislaufproblemen. Der WHO zufolge sterben jährlich drei Millionen Menschen weltweit an den Folgen von Luftverschmutzung. Andere Schätzungen sagen, dass allein in China 2016 1,6 Millionen Menschen an den Folgen der Schadstoffbelastung in der Luft verstarben. Deswegen wurde im Januar 2017 vom Bürgermeister Pekings die Reduktion auf durchschnittlich 60 Mikrogramm pro Kubikmeter verkündet. Der Wirkung dieser Maßnahme steht man skeptisch gegenüber, denn die WHO klassifiziert 25 Mikrogramm als akzeptablen Wert.

Eine Neuausrichtung

Wenig beeindruckt zeigten sich Umweltschützer*innen, als Chinas Regierung 2014 den „Kampf gegen Luftverschmutzung“ ansagte und den Kohleverbrauch bis 2020 um etwa die Hälfte reduzieren wollte. Dennoch:  Zu wenig ambitioniert sei das Ziel, hieß es.

Große Begeisterung hingegen ging um die Welt, als China und die USA sich auf das Pariser Klimaabkommen einigten. In den letzten Jahren hat sich China für eine Neuausrichtung seines Energiemixes entschlossen. Seitdem wurden mehrere Milliarden in erneuerbare Energien, vor allem in Solarenergie, investiert. Insgesamt verbraucht China jährlich 5920 Terawattstunden an Strom. 2010 war der der Anteil der Stromerzeugung aus Solarenergie nicht existent, 2015 waren es bereits 16 Terawattstunden und die Prognosen für 2020 sagen, dass es 37 sein werden.

So mussten vor zwei Jahren tausende Fabriken schließen, die zu Arbeitsplatzverlusten von 1.3 Millionen in der Kohle- und 500.000 in der Stahlindustrie führten. Zeitgleich ist der Import von Gas in China stark gestiegen. Das hatte die Folge, dass die weltweite Erdgasnachfrage um ein Viertel anstieg. Fraglich ist, ob diese Maßnahmen durchgehend durchgeführt werden oder sich nur auf den besonders smog-intensiven Zeitraum, die Heizperiode von November bis Februar, begrenzen werden.

Sollte die chinesische Regierung ihre Pläne für die Reduktion von CO2-Emissionen umsetzen, so wird im chinesischen Energiemix ein ganz neuer Akzent auf Atomkraft, Erdgas und erneuerbare Energien gelegt.

Aktuell zeichnet sich jedoch eine dunkle Wolke über den Plänen ab, denn im Herbst 2017 sank der chinesische Aktienindex ab. Als eine mögliche Erklärung dafür werden die strengeren Produktionsauflagen gegen Umweltverschmutzung angeführt. Sie würden dafür sorgen, dass Unternehmen ihre Produktion an die neuen Auflagen anpassen oder gar stoppen müssen.

Eine gemeinsame Mission

Der globale Energiebedarf steigt nach wie vor an. Vor allem das Wachstum der Länder in Südostasien, insbesondere in Indien, und deren erhöhter Energiebedarf sorgen dafür, dass bis 2040 der globale Energiebedarf um 40 Prozent wachsen wird. Zwar ist das ein langsamerer Anstieg als in den Jahren zuvor, doch er kommt circa einem zweiten China gleich.

Dementsprechend müssen globale Maßnahmen getroffen werden, um sowohl den gesundheits-, als auch umweltschädlichen Folgen von Treibhausgasen entgegenzusteuern.

Von Helena Velaj
Am
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