Die Stadt in der Stadt

Modernste Architektur mitten auf einem Feld? Seit ihrer Eröffnung im Jahre 2014 ist die Seestadt Aspern in Donaustadt eines der bedeutendsten Bauprojekte Österreichs. Doch wie sieht die Seestadt jetzt aus? Wir haben die Stadt in der Stadt für euch etwas erforscht:

Von Natalia Anders
Am
Lesezeit 7 Min

2028 soll die Seestadt Aspern zirka Zwanzigtausend Einwohner*innen ein Zuhause bieten und ein wichtiger Wirtschaftsstandort sein. Wie lebt es sich eigentlich als Seestädter*in? Kann man inmitten der riesigen Baustelle überhaupt gut wohnen? Was bietet die Stadt ihren Bewohner*innen?

Seit erst vier Jahren gibt es den Stadtteil, und doch existieren schon dreißig Arzt- und Therapiepraxen. Im Freizeitbereich wird vor allem auf Sport- und Outdooraktivitäten gesetzt. Neben dem riesigen “See”, der den Namen der Stadt prägt, gibt es noch einige Parks, Skateplätze, Spielplätze und Outdoor-Gyms. Es werden auch verschiedenste Sportkurse angeboten, wie zum Beispiel Yoga, Personal Training oder Kickboxen. Die Sportplätzen des Schulcampus werden den Seestädter*innen zur Verfügung gestellt - oft finden Sport Events statt. Gemeinschaftsgefühl ist ist hier überaus wichtig, schließlich soll sich jede*r so wohl wie möglich fühlen. Deshalb hat jede*r Einwohner/in auch immer die Möglichkeit, sich ans Stadtteilmanagement mit neuen Ideen zu wenden, um sein Grätzl verbessern zu können. Fast wichtiger als die Sportveranstaltungen, ist aber der Aufbau der Seestädter-Community. Immer wieder soll es Initiativen geben, die das Gemeinschaftsgefühl der Bewohner*innen stärken sollen. Besonderen Fokus legt man im Viertel da auf Kunst, Kultur und Nachhaltigkeit.

Wichtig sind den Einwohner*innen der Seestadt deshalb auch ihr großer Gemeinschaftsgarten, die Gemeinschaftsräume, Werkstätten und Bewegungsräume, die es in vielen Wohnhäusern gibt und die für jede*n zugänglich sind.

Stadt der kurzen Wege

Das beliebteste Fortbewegungsmittel innerhalb des Stadtteils ist das Fahrrad. Den Seestädter*innen werden außerdem City Bikes und Lastenräder, die beim Tragen schwerer Einkäufe behilflich sein sollen, angeboten. Das Ziel ist es, das Auto so wenig wie möglich zu verwenden. Deshalb wird die Seestadt auch Stadt der kurzen Wege genannt, die Hotspots sind so nahe aneinander, dass man nicht lange von einem Ort zum anderen braucht.

In die Innenstadt braucht es aber etwas länger - öffentlich erreicht man sie innerhalb einer halben Stunde mit der U-Bahn-Linie U2.

Geisterstadt

Mein Besuch der Seestadt Aspern fand an einem regnerischen Montagmorgen statt. Sobald ich aus der U-Bahn stieg, fand ich mich auf einer Baustelle wieder. Jedoch zeigten mir einige Schilder den Weg in das Zentrum des Stadtteils und nach bereits drei Minuten Fußmarsch befand ich mich auf der Maria-Tusch-Straße, von den Seestädter*innen auch MaTu genannt. Sie soll - wie ihr beinahe Namensvertreter MaHü - die Einkaufsstraße des Viertels werden. Auf den ersten Blick sah ich eine Drogerie, einen Supermarkt, ein Papierwarengeschäft und ein paar kleine Boutiquen. Was mir jedoch viel mehr auffiel, waren nicht die Läden, sondern der Fakt, dass ich die einzige Person auf der MaTu war. Ich setzte meine Entdeckungsreise fort, und war angenehm davon überrascht, wie grün es hier eigentlich ist. Vor fast jedem Gebäude gab es Grünflächen, die Balkone und Fenster waren voll bepflanzt.

Zirka eine halbe Stunde lang spazierte ich durch die Seestadt Aspern und traf auf maximal zwanzig Personen. Ob das wohl an der Zeit oder am Schlechtwetter lag? Jedenfalls konnte ich das Gerücht, die Seestadt sei eine Geisterstadt, dadurch eher nachvollziehen. Interessant war auch, was außerhalb der Stadt los war. Sobald ich den Stadtteil verließ und eigentlich nur mehr Feld um mich hatte, stieß ich immer wieder auf Massenparkplätze, dessen Autobesitzer*innen vermutlich Seestädter*innen waren. Ist die Seestadt vielleicht doch nicht so contra Autos, wie sie behauptet?

Nach derzeitigem Stand ist die Seestadt auf jeden Fall ein Bauprojekt mit Zukunft. Nachhaltig, innovativ und ein angenehmer Zufluchtsort nach einem Arbeitstag in der chaotischen Wiener Innenstadt. Damit wird jedenfalls fleißig geworben. Ob das Realität wird, erfahren wir allerdings erst frühestens in zehn Jahren.

Von Natalia Anders
Am
Lesezeit 7 Min

Follow