Die Schattenseiten von Airbnb & Co…

Als Brian Chesky und Joe Gebbia sich erstmals eine Luftmatratze in ihr Wohnzimmer legten und sie samt Frühstück im Internet als Bed and Breakfast Kombination (daher der Name Airbnb – Airbed and Breakfast) im Internet anboten um sich ihre Miete leisten zu können, war ihnen vermutlich nicht klar, welchen unglaublichen Umbruch sie einleiten würden. Heute ist Airbnb ein milliardenschwerer Konzern in einem hart umkämpften Feld zahlloser Plattformen, die touristische Vermietung privater Wohnräume vermitteln.

Von Gregor Schwayer
Am
Lesezeit 6 Min

Aus Verbraucher*innensicht ist das zunächst einmal fantastisch. Die Preise auf solchen Plattformen liegen zumeist sogar weit unterhalb des billigsten Hotelsegments. Dazu kommt, dass die Wohnungen in der Regel Küchen haben und man damit nicht noch zusätzlich für das Frühstück zahlen muss – Man kann es sich einfach günstig selbst besorgen und zubereiten. Auch die Auswahl bei der Lage ist viel umfangreicher – In touristisch interessanten Großstädten finden sich so ziemlich überall Angebote. Man kann sich also problemlos etwas in genau dem Viertel suchen, das man haben will. Ähnlich rosig sieht es auf der Seite der Anbieter aus. Vermietung via Airbnb und Co bringt im Schnitt mehr als doppelt so viel ein wie herkömmliche Vermietung. Sieht so aus, also ob alle profitieren, oder?

 

So einfach ist das aber leider nicht. Wie immer, wenn ein Weg gefunden wird, schnell viel Geld zu verdienen, fanden sich Wege, das System auszubeuten. Viele private Vermieter*innen haben sich – nachvollziehbarerweise – gefragt, warum sie sich mit den Reglementierungen traditioneller Mietverhältnisse herumschlagen sollen, wenn sie recht unbürokratisch mehr als das doppelte verdienen können. Ähnliches passierte auf höherer Ebene: Auf die privaten Vermieter folgten rasch große Firmen die gleich mehrere Wohnungen in Häusern aufgekauft haben, die sie dann zu einer Art Hotel im Wohnhaus machten. Der Grad der Professionalisierung stieg damit auch rapide an. Keine Spur mehr vom ja eigentlich charmanten Grundgedanken einmal kurz einen Blick in das Leben einer anderen Person zu haben, indem man das Urlaubswochenende in deren Wohnung verbringt. Viele Wohnungen auf solchen Vermittlungsplattformen werden bereits ausschließlich für touristische Zwecke verwendet. Zwischen den Belegungen kommen professionelle Putztrupps und bereiten die Wohnung für die nächsten Gäste vor. Solche Apartments fühlen sich auch eher wie Hotels an und werden dann auch oftmals von den Mietern wie solche verwendet – teils sehr zum Leidwesen der regulären Bewohner*innen im Haus.

 

Die schwerwiegendste Folge ist aber die dadurch weiter vorangetriebene Wohnraumverknappung – wie bereits erwähnt: Warum sollte man eine Wohnung regulär vermieten, wenn man durch die touristische Verwendung ein Vielfaches verdienen kann? Auch die klassische Touristik leidet schwer – Hotels können unmöglich mit den Preisen auf einschlägigen Plattformen konkurrieren. Sie haben Standards zu erfüllen, Steuern abzugeben und Gehälter zu bezahlen. Hier ist eine ähnliche Problematik entstanden wie eingangs zwischen traditionellen Taxiunternehmen und Uber. Reglementierte Gewerbe können preislich nicht mit unreglementierten konkurrieren. Die Regeln existieren aber nicht ohne Grund, also stellt sich die Frage, wo in alledem der Gesetzgeber steht?

 

Der Gesetzgeber wurde durch den raschen Aufstieg von Airbnb und Co regelrecht überrumpelt, weshalb die gesamte Sparte weitgehend eine rechtliche Grauzone war. In den letzten Jahren haben zunächst diverse Höchstgerichtsurteile und dann auch Novellierungen in den Gesetzen besonders stark betroffener Städte etwas mehr Klarheit geschaffen.

 

Will man als Mieter*in die Wohnung oder ein Zimmer in der Wohnung auf Airbnb untervermieten, braucht es die Zustimmung des/r Vermieters/erin. Erfolgt die Untervermietung zu einem höheren Preis als die Miete, braucht es zusätzlich eine Einverständniserklärung. Für Vermieter*innen gilt, dass dem Angebot auf Airbnb und ähnlichen Plattformen einstimmig von allen Eigentümern im Haus zugestimmt werden muss. Das wird eher selten passieren. Je nach Stadt kommen gegebenenfalls noch zusätzliche Regeln hinzu, wie beispielsweise die generelle Widmung der Wohnung als Ferienapartment. Strenggenommen machen bereits diese Grundregeln den legalen Betrieb einer solchen permanent auf Portalen angebotenen Wohnung relativ umständlich. Trotzdem gibt es sie noch überall. Wie kann das sein?

 

Wo kein Kläger, da kein Richter. Bei Verdacht auf illegalen Betrieb muss sich zumindest eine betroffene Partei finden, die den Umstand anzeigt. Anschließend liegt die Beweislast auf Seiten des/r Klägers/in. Das heißt Protokolle verfassen, wann Gäste und/oder Reinigungspersonal vor Ort sind, Zeugenaussagen sammeln und so weiter. Dazu kommt dann ein langwieriger Prozess. Da stellt sich dann für viele die Frage, ob es das wert ist, oder, ob man einfach zur Kenntnis nimmt, dass das Pärchen aus der Auvergne, das gerade die Wohnung mietet, heute Nacht wohl wieder anklingeln wird, weil sie den Schließmechanismus der Tür noch nicht ganz verstehen…

Von Gregor Schwayer
Am
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