“Das ganze Drumherum war eher learning by doing.”

Drei junge Frauen, ein Blog. Es begann mit einem Flohmarkt, den die drei Freundinnen organisiert haben und aus dem schließlich eine Online-Plattform wurde, die einen Einblick in das Leben von Márcia, Alina und Nina bietet. Wir haben mit zwei Vertreterinnen des Dreiergespanns über ihren Blog, das Leben in der Selbstständigkeit und ihr Verhältnis zu Bildung gesprochen. (Teaserfoto Credit: theladies.at)

Von Helena Velaj, Franziska Windisch
Am
Lesezeit 11 Min

GRAD

Was ist das Besondere an eurem Blog? Und wie würdet ihr eure Nische beschreiben?


Nina

Naja, wir sind schon mal zu dritt und das ist eine Nische, denn wir können viele Dinge aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten.


Márcia

Wir schreiben viel mehr Kolumnen. Wir sind keine klassischen Fashion-Blogger. Klar bringen wir so etwas ab und zu mal ein, aber das ist sonst nicht unser Ding. Wir schreiben eher über Dinge, die in unserem Leben passieren und versuchen es mit Feminismus oder Kultur zu verbinden.


Nina

Außerdem versuchen wir nicht nur oberflächlich an den Dingen zu kratzen, sondern ein wenig in die Tiefe zu gehen und deswegen ist Feminismus ein großes Thema, aber genauso Nachhaltigkeit oder zumindest teilweise vegane Ernährung. Wir versuchen in gewisser Weise einen Mehrwert zu schaffen, der nicht nur in den schönen Texten liegt, sondern auch damit wir eine Linie haben. Das war anfangs gar nicht der Fall.

GRAD

Worum geht es so in eurem Job? Mit welchen Tätigkeiten ist er verbunden?


Nina

Wir haben immer einen Redaktionstag im Monat, der ist fix. Da wird aufgeteilt, was in diesem Monat alles produziert und geschalten wird. Die Aufgaben werden gerecht verteilt. Da ist nicht sofort das Kreative, sondern erst mal die Organisation dahinter. Mails und Konzepte schreiben, Kostenvoranschläge und so weiter machen... Das sind die langweiligen Sachen, die erledigt werden müssen, damit es an die Umsetzung gehen kann.


Márcia

Wenn wir Kooperationen mit bestimmten Kunden haben, dann sind wir oft sehr frei in der Gestaltung und sie sagen uns nur ein Überthema. Dazu überlegen wir uns etwas, machen ein Konzept, Moodboards, also sammeln Bilder, damit man sich darunter etwas vorstellen kann und  schreiben einen kurzen Anreißertext. Wenn wir vom Kunden ein Okay bekommen, setzen wir das dann um. Je nach Aufwand ist das dann circa ein Produktionstag. Danach kommt die Nachbearbeitung und das Schreiben des Textes.


Nina

Wenn das getan ist, wird das auf alle Kanäle verteilt. Der Blogpost auf dem Blog, auf Facebook, auf Instagram, auf Pinterest. Dann wird noch nachgefasst, es werden Statistiken gezogen und dem Kunden präsentiert. Wenn es ein Blogpost ohne Kooperation ist, dann fällt die Konzeption weg und die Nacherfassung.

GRAD

Habt ihr besondere Zuständigkeiten? Beispielsweise eine Person, die die Buchhaltung macht?


Márcia

Jeder macht seine eigene Buchhaltung. Wir sind alle drei quasi Einzelunternehmerinnen und haben kein “The Ladies”-Unternehmen gegründet, sondern haben das Medium und jede von uns ist eine Einzelperson, die selbstständig arbeitet. Ich arbeite nebenbei als Freelancerin. Nina auch. Alina macht ihren eigenen Kanal und das funktioniert so am Besten.


Nina

Prinzipiell sind die Themen aufgeteilt. Da schupfen wir, wem was eher liegt. Aber wirkliche Aufgaben gibt es nicht, sondern wir wechseln das monatlich ab. Eine macht Instagram, eine den Newsletter. Den Blogplan machen wir alle zusammen.  


Márcia

Der Vorteil am Arbeiten zu dritt ist, dass immer jemand da ist, wenn man selbst auf Urlaub fährt. Wir versuchen jedem seine Auszeit zu gönnen, denn in jedem anderen Beruf geht es ja auch, dass man sich freie Tage nimmt.

GRAD

Das sind viele verschiedene Aufgaben, wenn man an die Buchhaltung denkt und das Schreiben der Konzepte. Wo habt ihr das gelernt?


Nina

Alina und ich haben Publizistik studiert, Marcia Transkulturelle Kommunikation und einen journalismusbezogenen Master, also würde ich sagen, dass wir das Schreiben vielleicht gelernt haben. Das ganze Drumherum war eher learning by doing.


Márcia

Social Media Strategien und Kundenakquise und das Organisatorische, also ein Medium zu leiten ist ein “Trial and Error”. Natürlich haben wir Fehler gemacht, natürlich sind wir keine Expertinnen.


Nina

Wir haben eine Grundausbildung, die ist das Schreiben und beim Rest ist es ja wie bei jedem Beruf, dass man, wenn man etwas nicht weiß, nachfragt und langsam hineinkommt.

GRAD

Wenn ihr auf euer Studium zurückblickt: Wie würdet ihr das in Zusammenhang mit euren Blogs sehen?

 

Márcia

Schwierig, mein Bachelorstudium hat mich nicht auf das Bloggen vorbereitet, aber dafür gibt es ja auch kein Studium. Ich finde es gut, dass ich ein Bachelorstudium hatte, das viel mit Kommunikation zu tun hatte, denn ich habe gelernt, Texte auf bestimmte Zielgruppen anzupassen und das ist bei uns ja auch sehr wichtig. Dieses selbständige und geregelte Arbeiten war auch sehr gut an der Uni, weil ich davon sehr viel mitgenommen habe. Im Master war ich schon Bloggerin, das wurde dann auch ein wenig vom klassischen Journalismus belächelt aber ich hatte mir schon so viele Fähigkeiten durch das eigenständige Arbeiten, durch unser eigenes Medium, das recht professionell ist, angeeignet, dass ich da schon viel in den Master einfließen lassen konnte. Das war dann von Vorteil.


Nina

Ich habe, so wie Alina, Publizistik studiert, was viele machen und ich finde das Studium per se bringt einem nicht die Fähigkeiten für einen Blog, aber erstens lernt man extrem viele Leute kennen, die in dem Business unterwegs sind, nicht mal unbedingt Blogger, aber Journalisten, Leute, die beim Film und Fernsehen arbeiten. Zweitens, hat man auch teilweise Kurse zu neuen Medien, die einem doch noch ein paar Fähigkeiten auf den Weg geben, man kann sich rechtlich spezialisieren und weiterbilden, wir hatten ein paar Rechtskurse. Es hilft schon ein bisschen und ich denke es hilft zu studieren, weil das zeigt, dass man an einer Sache dranbleiben kann und das ist ja auch etwas. Wenn man selbständig ist, muss man eigenständig arbeiten. Ich denke allerdings nicht, dass es ein perfektes Studium für das Bloggersein gibt. Ich würde niemanden, der Blogger werden will, sagen “Du musst Publizistik studieren”. Das muss man nicht, man kann irgendwas anderes studieren oder gar nichts studieren. Für mich persönlich hat es nicht geschadet.

GRAD

Welchen Stellenwert nimmt Bildung bei euch ein?


Márcia

Bildung hat für uns einen sehr, sehr hohen Stellenwert, denn obwohl ich nicht mehr an der Uni bin und Alina auch bald fertig ist, versuchen wir uns trotzdem immer weiterzubilden. Ich glaube meine größte Angst ist, dass ich verblöde. An die Uni gehen war etwas, das ich für mich machen musste. Ich habe wahnsinnig viel gelernt, so viel Selbstständigkeit erworben und ja es bereitet nicht für den Beruf vor, aber es öffnet das Denken und es verändert so viel an der eigenen Offenheit.


Nina

Ich finde, wer rastet, der rostet. Ich habe das Bedürfnis mich jeden Tag weiterzubilden und diesen Anspruch habe ich auch an Leute in meiner Umgebung. Sich ständig weiterbilden finde ich schon wichtig und das muss nicht unbedingt auf der Uni sein. Ich bin mit meinem Studium fertig und beginne jetzt den Bachelor in Psychologie, einfach aus Interesse und dann schau ich mal, wohin es geht. Es fühlt sich nicht fertig an und ich glaube wir haben alle diesen Drang, immer weiterzumachen und permanent etwas zu haben, das unseren Geist befüllt.

GRAD

Auch in Bezug auf den Blog? Gibt es da auch einen Anspruch zu informieren, aufzuklären?


Márcia

In der Hinsicht, dass wir uns weiterbilden, um unseren Beruf noch besser ausüben zu können: Ja. Wenn man vergleicht wie unsere Bilder vor ein paar Jahren ausgesehen haben und wie sie jetzt aussehen. Wir haben alle in den letzten Jahren viel an Fotografie, Video, Schnitt, Grafik gelernt. Wenn man auch vergleicht wie wir vor ein paar Jahren geschrieben haben und wie wir jetzt schreiben, ist natürlich das Alter, aber auch Übung hinzugekommen. Auf persönlicher Ebene, für den Beruf - ja. Allerdings auch für unsere Leser, wir wollen ihnen einen Mehrwert bieten, aber wir predigen nicht. Wir wollen einen Diskurs öffnen. Auf manche Artikel bekommen wir so viele Reaktionen, dass wir mit dem Antworten nicht hinterherkommen. Es ist schön, dass wir gelesen werden.


Nina

Wir wollen auch in Zukunft Serviceartikel einplanen bei denen wir über bestimmte Themen aufklären.


Márcia

Ich arbeite an einem Artikel über die Früherkennung von Brustkrebs, wo es so viele Dinge gibt, die Frauen nicht wissen.


Nina

Wir recherchieren aktiv zu Themen und wollen sie kompakt, aber recht einfach aufbereiten.

GRAD

Was sind eure Zukunftspläne für den Blog?


Nina

Alina betreibt ihn ja bereits hauptberuflich, aber wir zwei machen es eher nebenberuflich und so wollen wir es auch beibehalten. Ich schätze einen Arbeitsalltag mit einem Büro und fixen Arbeitszeiten sehr, man hat seine Mitarbeiter und Kollegen. Ich strebe einen 20 bis 25 Stunden Job an, du auch oder? Einen Job finden, in dem man aufgeht, aber das sucht doch jeder. Mal schauen, ob es klappt.


Márcia

Ich glaube momentan genießen wir die Freiheiten, die die Selbstständigkeit mit sich bringt. Ich weiß es gibt das Klischee, dass Selbständige 16 Stunden am Tag arbeiten und es gibt sicher Leute, die das tun, aber wir nehmen es, wie es kommt und arbeiten keine 16 Stunden am Tag. Wir machen die Arbeit so gut es geht, versuchen sie in eine gute Richtung zu lenken und schauen was passiert. Wir versuchen, nicht nur das zu machen.

GRAD

Bietet euch in dieser Entscheidungsfindung der Blog auch eine gewisse Sicherheit?


Nina

Also ich muss sagen, dass der Blog bei mir immer ausschlaggebend war, dass ich den Job dann auch bekommen habe.


Márcia

Meine letzten zwei Jobs wurden mir aufgrund des Blogs angeboten. Ich wusste nicht mal, dass es diese Jobs gab, sondern man hat mir geschrieben, ob ich Interesse hätte.

GRAD

Also gibt er euch schon Sicherheit.


Nina

Ja, auf jeden Fall. Nicht nur aufgrund der Qualifikationen, sondern auch finanziell. Wir beide haben aufgrund der Uni damals keinen zweiten Job gemacht außer die Freelancer-Sachen, aber haben auch keine Panik, denn es ist ja sowieso der Blog da. Wir haben uns auch dafür entschieden, ein paar Monate keinem klassischen Beruf nachzugehen und das ist sehr angenehm. Das sind Freiheiten, die andere nicht haben.


Márcia

Man wird davon nicht reich, aber für mich ist es gerade sehr angenehm, dass vom Blog immer wieder etwas reinkommt und ich kann die übrige Zeit dafür nutzen, mich auf Dinge zu konzentrieren, die ich wirklich möchte. Zum Beispiel, mehr zu schreiben.


Nina

Wir müssen nicht krampfhaft irgendeinen Job annehmen, weil es knapp wird. Dadurch, dass wir zu dritt sind, und auch keine Monster, kann die eine, wenn es wirklich mal knapp wird, auch mehr Kooperationen machen. Wir sind ja auch Freundinnen.

Von Helena Velaj, Franziska Windisch
Am
Lesezeit 11 Min

Follow