Aluminium, der schwierige Alleskönner

Aluminium gehört zu den vielseitigsten Materialien überhaupt. Es ist leicht, stabil und ein exzellenter Wärmeleiter. Außerdem müsste es als dritthäufigstes Element in der Erdkruste auch geradezu banal zu gewinnen sein, oder? So einfach ist das leider nicht. Das meiste Aluminium findet sich in Verbindungen, aus denen es nicht wirtschaftlich sinnvoll gewonnen werden könnte und sogar in der verwendbarsten Form, dem Aluminiumerz Bauxit, ziert es sich extrem.

Von Gregor Schwayer
Am
Lesezeit 7 Min

Bauxit wird im Tagebau abgebaut, wofür riesige Areale benötigt werden. Da große Teile der Vorkommen in Regenwaldgebieten liegen, führt das oft zu weitläufigen Rodungen. Um aus dem Erz Aluminium zu gewinnen, muss es erst im sogenannten Bayer-Verfahren unter hohem Druck und hoher Temperatur mit konzentrierter Natronlauge von Fremdstoffen getrennt werden. Zurück bleiben Aluminiuhydroxid und ein, aufgrund der von Eisenverbindungen rötlichen Färbung Rotschlamm genanntes, Abfallprodukt. Dieser Rotschlamm ist extrem alkalisch und kann je nach Herkunft des Erzes hochgiftige Schwermetalle enthalten. Früher wurde er oft gedankenlos in Flüsse geleitet oder in Seen oder das Meer geleert. Die Folgen für die Umwelt waren teils extrem alarmierend. Aber auch bei der wesentlich sichereren Endlagerung in Deponien kam es zu katastrophalen Zwischenfällen. Am vierten Oktober 2010 brach der Staudamm einer Rotschlammdeponie bei Kolontár in Ungarn. Die folgende Flutwelle aus ätzendem Schlamm kostete mehrere Menschen das Leben und vergiftete weitläufige Gebiete um die Deponie nachhaltig. Seitdem hat zwar ein Umdenken im Umgang mit Rotschlamm stattgefunden – beispielsweise wird die Natronlauge ausgewaschen oder weiterverwendet, oder er wird versuchsweise nach gründlicher Reinigung für einige Baustoffe verwendet – aber gänzlich gelöst ist die Frage damit noch nicht.

Unersättlicher Stromhunger

Nach all dem hat man allerdings noch immer kein Aluminium, sondern Aluminiumhydroxid. Das wird anschließend bei etwa 1500 Grad Celsius zu Aluminiumoxid gebrannt. Für reines Aluminium braucht es jetzt noch die Schmelzflusselektrolyse. Vom Prinzip her kann man sich das durchaus ähnlich vorstellen wie die in zahllosen Experimenten in Physikstunden in Schulen auf der ganzen Welt gezeigte Wasserelektrolyse. Nur bei fast 1000 Grad Celsius und bei so hohem Stromverbrauch, dass es keine Seltenheit ist, dass zu den Verarbeitungsstätten gleich Kraftwerke dazu gebaut werden. Rein logistisch und wirtschaftlich macht das durchaus Sinn. Das spart den Übertragungsverlust ein, der entsteht, wenn Strom über weite Strecken geholt werden muss, aber für den ohnehin schon gigantischen ökologischen Fußabdruck der Aluminiumherstellung ist es natürlich noch das Tüpfelchen auf dem I wenn neben die Bauxitgrube noch ruckzuck ein Wasserkraftwerk gestellt wird. Wer sich jetzt denkt: „Naja, zumindest ist es Wasserkraft, das ist klimaschonend.“, irrt leider. Wenn große Mengen von organischem Material auf dem Boden von Stauseen versanden und damit von der Luft abgeschlossen werden, werden sie von anaeroben Bakterien unter Freisetzung von Methan – einem hocheffizienten Treibhausgas - zersetzt. Wo fände sich am ehesten eine Gegend mit möglichst viel organischem Material, das einen Stausee zum Klimasünder machen könnte? Richtig, in eben den Regenwäldern, in denen sich die meisten Bauxitvorkommen befinden. Ein waschechtes Worst-Case-Szenario.

Was kann ich tun?

Was kann man als Konsument tun, um die Situation zu verbessern? Aluminium ist mit seinen zahllosen Anwendungsmöglichkeiten ein extrem wichtiges Material, aber gerade in vielen Versionen in denen es uns im Alltag begegnet problemlos ersetzbar. Dosen und ähnliche Aluminiumbehälter, die sofort nach Verwendung im Müll landen, kann man ohne viel Aufwand durch Produkte in anderen Verpackungen ersetzen. Und wenn das Lieblingsbier doch mal aus dem Blech kommen soll, dann kann man nach Möglichkeit schauen, dass es danach in der Recyclingtonne landet. Auf diese Weise wird ein Material, in das so unglaublich viel Energie gesteckt werden musste, zumindest dort verwendet, wo es wirklich gebraucht wird. Und der dadurch hoffentlich sinkende Gesamtverbrauch schont die Umwelt.

Von Gregor Schwayer
Am
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